Kanzelschreiber

Der maximal erigierte Kardinal

Warum der Gerhard Ludwig die Welt nicht versteht

Freilich ist es nicht einfach, wenn dich der gefühlt untergebene Papst so mir nix dir nix vor die Tür und in den Kardinalsruhestand schickt. Da bist du zunächst einmal maximalempört und zeterst die Gangway von Kirchenschiff hinunter, dass es dem Papst zwangsläufig zu Ohren kommen muss, das ist ganz normal. Aber dann muss auch einmal Schluss sein. Dass es bei Müller nicht vorbei war und immer noch nicht vorbei ist, zeigt recht deutlich, wie recht der Franz mit seiner Entscheidung hatte. Chef ist nun mal Chef und den kritisierst du nicht, schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Aber Müller meinte ja, er sei der Chef und der Heilige Geist kann sich beim Flug durch die Sixtinische Kapelle nur am Platz geirrt haben. Man wird ja bei höheren kirchlichen Würdenträgern den Verdacht nicht los, dass sie irgendwann einmal die Bodenhaftung verlieren. Ohne Bodenberührung bist du dem Himmel näher, weil nicht mehr so irdisch. Und der Müller war mehr als abgehoben, der konnte praktisch die Erde gar nicht mehr sehen. Das hat man dann auch bei den Entscheidungen gesehen. Nun ist es aber so, dass ein Papst für die katholischen Zustände auf der Erde zuständig ist und da hilft ihm ein hosiannalispelnder Wolkenschweber recht wenig. Den verwissenschaftlichten Bayernpapst hat das weniger gestört, der war in etwa auf gleicher Erddistanz. Aber Franz ist geerdet und der weiß auch was zu tun ist und muss manchmal fuchsteufelswild werden, weil er da herunten ganz alleine ist, während der vatikanische Amtsapparat völlig abgehoben im Himmel herumschwebt und außer für die Mafia und neue Missbrauchsfälle nur für Zeitlosigkeit zuständig ist. Aber wie willst du als dermaßen gottnaher Kardinal, wie es der Müller für sich beansprucht, die Kündigung seitens Erdenwurm verstehen, der nun leider einmal statt deiner auf dem weltlichen Gottesthron sitzt? Ist es da nicht mehr als verständlich, dass so einer eine Geisteserrektion nach der anderen bekommt? Er hätte das ja alles niederschreiben und in einem Buch veröffentlichen können "Der Papst unter mir" oder "Ich und Gott", vielleicht auch "Mit Zorn und Feuer zurück zur Macht". Egal, man hätte es ja drucken können und dann hätte der Vatikan heimlich alle Exemplare aufgekauft und für einen Spottpreis bei Amazon angeboten, gepaart mit extrem schlechten Bewertungen und total verreißenden Rezensionen. Dann hätte man noch ein paar rechtsradikale Passagen herausgreifen müssen und den Autor verklagen. Schluss wäre gewesen, der Müller in ein Schweigekloster verbannt und den Rest regelt die Zeit. Aber der Papst erinnert sich vielleicht, dass Wegsperren von Populisten in Deutschland schon einmal gewaltig ins Auge ging, also lässt er ihn dahinvergestern. Dass aber die Presse sich für seine Gedankenerrektionsergüsse hergibt kann man nur damit erklären, dass sie die katholische Kirche im Grunde längst nicht mehr versteht und Müllers kardinalsornatverbrämte Mittelalterthesen als nette Ergänzung zum Dschungelcamp sieht, mit dem man die Journalseiten für das promigierige Publikum füllen kann.

Zölibatn oder nicht Zölibatn

Wie stark darf im Zölibat geheiratet werden?

Da sagen sie, dass rund um den Amazonas viel zu wenige Priester herwachsen und dass man deshalb unbedingt auch verheiratete zu Priester machen muss. Und dann kommt der alte Papst daher und springt wie der Ritter der Kokosnuss seinem Nachfolger ins Kreuz, dass der ihm vermutlich sofort die Papstrente gestrichen hat. Ja wo kommen wir denn da hin, wenn verheiratete Mannerleut auf einmal zum Pfarrer geschlagen werden. Der Ehemann muss sich ganz der Familie zuwenden, meint der Ratzinger Sepp. Der muss es ja wissen. Wenn das ein Mann tut, dann hat er relativ schnell Hartz IV. Von einem Mann erwartet man schon, dass er eine Arbeit hat, die für den Unterhalt einer Familie reicht. Und sein Chef erwartet mit bezahlten Recht, dass er sich gefälligst acht Stunden am Tag einen Haxen ausreißt.
Also was da der Altpapst für eine Meinung über die Ehemänner hat, da merkst du schon, dass er noch nie einer war. Aber eigentlich hätte sein Vater einer sein müssen und dann hätte er schon gewusst, wie es bei einem Ehemann und Familienvater zu geht. Freilich sind die früher öfter ins Wirtshaus, damit sie dem Familenchaos wenigstens eine Zeit oder überhaupt auskamen. Für das Chaos war die Ehefrau und Familienmutter zuständig und das vierundzwanzig Stunden am Tag.

Ein Problem ist natürlich die Homosexualität, mit der die Kirche große Erfahrung haben müsste, weil die bis vor kurzem Sünde war und vielleicht auch noch ist, zumindest bei den Maximalzölibatären. Dabei ist sie kaum wo stärker verbreitet als im Klerus. Aber das könnte auch eine Erklärung sein, weil die Aufhebung des Zölibats alle schwulen Priester in Maximalerklärungsnot brächte. Das weiß der alte Papst vermutlich, immerhin hat er ausreichend klerikale Lebenserfahrung. Andererseits ist es mit der Heiraterei so eine zwiespältige Sache, ein Dogma ist der Zölibat ja nicht und schon der erste Papst, der Petrus hatte eine Schwiegermutter und so blöd ist kein Mann, dass er sich eine Schwiegermutter ohne Ehefrau nimmt. Und dann wurde der Zölibat ja eigentlich wegen der Vererberei eingeführt. Wenn so ein Pfarrer gut gewirtschaftet hat, dann sollte sein Reichtum der Kirche zufallen und nicht so einem zusammengerackerten Eheweib und den Kindern. Aber das wissen sie heute nicht mehr, heute reden sie von ausschließlicher Zuwendung zu Gott. Mein Lieber, den Pfarrer zeigst du mir mal.

Vermutlich wird es also mit den Priesterehemännern nichts und auch nicht mit Priesterinnen und auch nicht mit dem Bestrafungsende für Wiederverheiratete und auch nicht mit dem Ende des Ministrantenmissbrauchs und auch nicht mit Sündenmaximierung bei jedem Gottesdienst und auch die Haushälterinnen müssen Haushälterinnen bleiben und man hat kein Gschiss, wenn die Beziehung nicht mehr hinhaut, weil man das mit einer einfachen Kündigung oder einer Fristlosen lösen kann und zwar ohne Folgelasten. Du kannst auch jederzeit eine Andere einstellen. Das ist doch praktisch. Also nicht aus Sicht der Haushälterinnen, von denen die meisten Frauen sind, was bei schwulen Priestern jetzt wieder völlig unverdächtig ist.

Ab einem gewissen Priesteralter ist es vermutich wurst, ob Frauen oder Männer, weil Trieb erlahmt. Wer aber da glaubt, dass bei Priestern ausschließlich die Hinwendung zu Gott statt findet, der hat einen starken Glauben, oder er war ausreichend lange von der Welt isoliert, wie der alte Papst. So einem Weltfremden ist das eventuell zuzutrauen. Dem Papst Franz aber nicht, denn der kommt aus der Welt und weiß, wie es da zu geht und dass mir ein Priester mit Frau lieber wäre, weil mir da kein Ministrant erbarmen muss. Nicht die Ehelosigkeit, sondern die Gewaltbereitschaft waren für mich der Hauptgrund, mich nicht als Ministrant einem Pfarrer auszuliefern. Denn ohne Ehe und ohne Eheleben staust du schon andere Gewaltpotentiale auf und deren Entladung brauchte ich nicht. Es reichten die Watschn beim Religionsunterricht.