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Kanzelschreiber

Sing mir das Lied vom Tod

Die gesungene Hoffnungslosigkeit

Im Grunde ist es ja ganz einfach: Wer Kirchensteuer zahlt, kommt selbstverständlich in den Himmel und im Himmel ist das Paradies und der Petrus hat die Schlüssel. So weit so gut. Aus kirchlicher Sicht ist also das Ende des Lebens der Aufbruch in die Herrlichkeit. Das Requiem ist frühestens drei Tage nach dem Lebensende, das muss so sein, weil man ganz sicher sein will, dass der Leichnam auch ein solcher ist. Freilich könnte man schnell mal im Paradies nachfragen, ob den der oder die Neuparadieser(in) schon da ist, aber auf den Trichter kam man noch nicht und außerdem gibt es ja auch die Nichtkirchensteuerzahler und wo sollte man da anrufen. Es ist auch gar nicht abgesprochen, wie lange die Wartezeit bei Petrus ist und ob das überhaupt drei Tage sind. Da beschäftigen sie sich in Rom lieber mit so Nebensächlichkeiten wie Heiligsprechungen, die im Paradies jedes Mal einen Umzugsterror verursachen, statt so essentielle Fragen wie die Paradieswartezeit festzulegen. Aber es wäre schon gerecht, wenn man in Warteraum die Trauerreden und das Requiem noch mitbekommen würde, praktisch als Fegefeuer.

Beim Requiem beten wir vor allem für einen raschen Einlass in die göttliche Herrlichkeit, also einen durchaus freudigen Prozess. Wenn dann aber der Chor einsetzt, dann weißt du, dass das alles nicht stimmen kann. Der Chor singt das Lied vom Tod, in Moll und maximal freudlos, eher verzweifelt. Ich weiß nicht, ob sie dabei weinen, aber zu vermuten ist es schon. Freilich ist so eine entschwundene Seele für die Lebenden erst mal weg, je nach Alter der Überlebenden länger oder kürzer. Und man sieht sich wieder, sagt der Pfarrer zumindest und der muss es wissen. Freilich ganz nach "Brandner Kaspar und das ewige Leben" wird es wohl nicht sein. Selbst der kam nicht mehr zurück, um einmal detailliert zu berichten, denn das wäre schon mal ein brauchbares Feedback. Dass die katholische Kirche nicht längst mal auf ein Austauschprogramm drängt, ist schon seltsam. Hat sie Angst, dass es doch ganz anders ist, da drüben? Dass sie gar keine Heiligen in größere Wohnungen umziehen lassen kann? Es liegt zumindest nahe, denn bei diesen engen Beziehungen sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Diese Zweifel kommen in den Liedern des Requiems zum Ausdruck. "Meine Seele ist Stille in dir", ja so hört es sich an, das Lied vom Tod.

Das Schweigen der Hirten

Eine leider wahre Geschichte über Duschen und Vertuschen

Wer heute so um die sechzig ist wird wohl in seinen Kindertagen so manch schulische Watschn eingefangen haben. Das war damals schon unerlaubte Gewalt, man muss aber auch bedenken, dass eine ziemlich gewalttätige Zeit noch nicht allzu weit zurück lag. Vielleicht auch deshalb das Verbot der körperlichen Züchtigung, es war vermutlich notwendig. Man erkannte wohl auch, dass Angst kein guter Lehrmeister ist. In der katholischen Kirche (KK) sah man das noch lange Zeit anders und da die KK ein wahrer Meister des Konservierens ist, tut sie das noch immer.

Duschen und Vertuschen

Wer könnte das nicht genießen, sich nach körperlicher Betätigung, sei es Sport oder Arbeit ins Bad zu gehen und zu duschen, von Schweiß und Dreck zu reinigen und die Wasserstrahlen zu genießen. Ersetzt man aber das "D" durch seinen harten Bruder, das "T" und fügt die nette Vorsilbe "ver" davor, dann ist es gleich alles andere als nett. Aber, was soll man dazu sagen, die KK betrachtet es als essentiell.

Wenn man mit dem Auto mit 80 Sachen durch eine Ortschaft braust und nicht geblitzt wird, bekommt man weder Bußgeld noch Knöllchen und wenn es ohne Schaden abgeht, dann hat man Glück gehabt. Wenn sich aber der Ortspriester an einem Ministranten vergreift, dann ist es ohne Belang, ob er dabei erwischt wird oder nicht, denn das geht auf keinen Fall ohne Schaden ab und der ist groß. Nicht umsonst treten die meisten Missbrauchsopfer früher oder später aus der KK aus.

Kommt dann so ein Fall ans Licht, begibt sich die KK schnell in die Opferrolle und die gängigen Stereotypen werden aus der Schublade geholt: "Ein Angriff auf den Zölibat", "Pauschalverurteilung einer heiligen Institution", "auch anderswo wird missbraucht", "das ist kein KK-Problem" und so fort. Kommt es nicht an die Öffentlichkeit, umso besser. Hauptsache alles kommt so schnell wie möglich unter den Teppich. Daran konnte auch die ganze Missbrauchsaufarbeitung nichts ändern, vermutlich wollte sie es auch gar nicht. Wenn ein in Auftrag gegebenes Gutachten nicht passt, dann findet man triftige Gründe, es nicht zu veröffentlichen und gibt ein neues mit den passenden Vorgaben in Auftrag.

Die Gabe des Vergessens

Ein ganz wichtiger Aspekt dabei ist das Vergessen. Es ist ja nicht leicht, etwas zu vergessen. Wenn man zum Beispiel eine schwere Beleidigung vergessen muss, weil man mit der beleidigenden Person weiterhin auskommen muss, dann ist das eine sehr schwere Aufgabe. Die kann auch misslingen und man kann es einfach nicht vergessen, also versucht man es zu verdrängen so gut es halt geht. Bei den Bischöfen der KK scheint es aber grandios zu funktionieren. Das liegt vermutlich an ihrer Kopfbedeckung, die manche als geistiges Löschhorn bezeichnen. Eventuell bekommen die Bischöfe aber auch spezielle Medikamente bei ihrer Weihe, die das Vergessen fördern. Wie sonst könnten sie sich hinstellen und so treuherzig wie möglich bekunden, dass sie von Missbrauchsfällen keine Kenntnis hatten, oder die Hirten schweigen. Das mag gut für den einzelnen Bischof sein, aber für die Missbrauchsopfer ist es eine Katastrophe. Plötzlich stehen sie mit einem kirchlich umgehängten Lügenmäntelchen da. Während die Heilige weiterhin heilig bleibt und das bis in alle Ewigkeit.

Beglaubigte Heiligkeit

Ja, das denkt sie sich so, das wünscht sie sich. Sie, die katholische Kirche, die sich bei jedem Glaubensbekenntnis ihre Heiligkeit beglaubigen lässt. Und jene, die sie am meisten geheiligt haben wollen, würden das Wort Glaubensbekenntnis am liebsten verbieten und das Wort "Credo" vorschreiben. Ja überhaupt soll mit dem Herrn auf Latein geredet werden. Kyrie eleison! Das ist die Sprache der Kirche, der geweihten Männer. Das ist die Sprache der Erinnerungslosen, der Vertuscher von Kindsmissbrauch in dem Glauben (oder auch nicht), dass es nun mal besser ist, eine Straftat zu vertuschen als der heiligen Kirche, in derem Auftrag der Missbraucher steht, zu schaden. So oder so ähnlich werden sie es wohl sehen, wenn sie Missbrauch ins Grab des Vergessens versenken.

Die Zeiten aber haben sich geändert. Vor 50 Jahren war der Kirchenbesuch höchstens theoretisch freiwillig und der Pfarrer der höchste Mensch der Gemeinde. Niemals werde ich vergessen, wie ein Mädchen an Erntedank über die aufgebauten Früchte staunte und das Nahen des Pfarrers nicht bemerkte. Jener versetzte dem Mädchen eine schallende Ohrfeige, dann gab er ihm die Kommunion. Ja, so war das damals und jenes Mädchen wird dieses Erlebnis wohl bis heute als schlimme Demütigung in Erinnerung haben. Heute wäre das unvorstellbar, Gott sei Dank! Heute ist Kirchenbesuch absolut freiwillig, es gibt keinen kirchlichen und keinen gesellschaftlichen Zwang mehr, auch das ist richtig und wichtig. Aber die Kirche stellt das vor neue Herausforderungen und das hat sie noch nicht verinnerlicht. Manche Bischöfe vertreten sogar die Auffassung, dass eine kleinere Kirche mit treuen Katholiken die bessere Kirche ist. Ja, aber dann sollten sich diese Hirten schleunigst einen bescheideneren Lebensstil angewöhnen, damit ihn die kleine Schar der Getreuen finanzieren kann.

Gottes Schnittstelle

Die Kirche sieht sich gerne als Schnittstelle zu Gott, als Tor zum Himmel. Aber der Putz bröckelt und hinter der Fassade kommt immer mehr übertünchtes Vergehen zum Vorschein. Glaube wird heute nicht mehr von Kindheit an ins Hirn gebrannt, die Menschen sind mündig geworden. Dann werden sie mit einer Kirche konfrontiert, der sie per Taufe angehören und die ihnen per Steuerbescheid Geld abnimmt. Sie erleben diese Kirche als sündhaft und egozentrisch und irgendwann erkennen sie, dass es nicht die KK ist, die ihnen den Weg zu Gott garantiert, sondern - sollte Gott überhaupt einen Unterschied machen und sollte er uns nach dem Tod überhaupt noch brauchen - jeder Mensch selbst entscheiden kann, ob er und sie ein guter Mensch ist. Gott ist ziemlich lange ohne Menschen ausgekommen und noch länger ohne KK. Dass die KK ohne Gott gut auskommt, hat sie oft genug bewiesen, dass sie aber ohne Menschen nicht überleben kann, diese Erkenntnis ist noch nicht bis auf die Entscheidungsebene durchgesickert, denn sonst würde sie sich längst viel nützlicher und unentbehrlicher machen.

Hoffnung

Hoffnung, so kann man es nennen. Eine Hoffnung, die KK möge ihr Zentrum neu verorten, mitten in die Welt hinein, mitten unter die Menschen. Eine Hoffnung, sie möge sich nicht selbst so wichtig nehmen, sondern ihren Dienst an den Menschen. Es ist wohl auch an der Zeit zu erkennen, dass die Liebe unter den Menschen eine Gottesbeziehung nicht ausschließt. Ja, dass der Mensch menschliche Liebe braucht und nicht zum Alleinsein geschaffen ist. Und ich bin mir sicher, dass ein Priester, der selber Kinder hat, einem faszinierten Mädchen keine Watschn geben würde, er würde es als Dank für die fleißigen Hände sehen, die den Erntedankaltar aufbauten.

Corona

Und was man dagegen tun kann

Ja, die Pest, die brauchte seinerzeit, bis sie alle Enden der Erde erreicht hatte. Damals war Reisen noch mühsam und vor allem langsam. Da machen wir es heute den Erregern schon leichter. Aus Sicht eines Virus ist die Welt viel einfacher geworden. Da reist du zum Beispiel in ein Skigebiet, es sollte halt eins mit Gondeln sein und dann wartest du in einer Gondel auf die Skifahrer, dabei musst du die Gondel gar nicht mal verlassen, denn die Skifahrer wechseln sich selber aus. Was glaubst du, wie viele Kontakte du da an einem einzigen Tag schaffst. Was haben wir gestaunt, wie schnell dieses Virus damals von China nach Bayern kam. Eine Flugreise ohne Zwischenlandung. Das dauert keine zehn Stunden und du bist im Land der Uninfizierten und kannst dich nach Herzenslust verbreiten. Gut, Herzenslust ist bei einem Virus schwierig, wird er wohl nicht haben, da ziemlich herzlos.

Aber würde Nichtskifahren und Nichtfliegen die Verbreitung des Virus tatsächlich behindern oder sogar verhindern? Na ja, man würde es ihm schon ziemlich schwer machen, das wären ja mittelalterliche Bedingungen. Und außerdem, nicht Skifahren! Das geht ja nun überhaupt nicht. Man muss sich ja mal vorstellen, wie viel Wirtschaft davon betroffen wäre. Die Skigebiete, die Hotels, die Mineralölindustrie, die Autobranche, die Skihersteller, die Helmhersteller, die Bekleidungsindustrie und so weiter und so fort. Um es es auf den Punkt zu bringen: Skifahren ist alternativlos! Aber muss die geflogene Urlaubsreise sein? Nun, das ist schon ein bisschen hinterfragbarer, aber was hätte das für Auswirkungen auf das Ego? Wovon erzählt man dann, womit kann man bei einem ansonsten armseligen Leben sonst prahlen. Freilich war es in der Dom Rep nicht halb so schön, wie der Reiseveranstalter versprach, von wegen unvergesslich, ja die Kakerlaken vielleicht. Aber davon muss man ja nicht erzählen. Man war dort, das zählt. Und überhaupt geht es ja auch beim Fliegen und Flugreisen um sehr viel Wirtschaft.

Neulich lief der letzte A380 vom Band, also aus der Halle. Der massive Rückgang von Flugreisen hat zu diesem Debakel geführt. Somit beraubt sich das Virus seiner eigenen Verbreitungsmöglichkeiten. Die Airbus-Chefin warnt vor Flugscham. Man könne durchaus mit synthetischen Kraftstoffen fliegen. Freilich könnte man, sie sind halt teurer und genau deshalb sind die Billigfleischangebote so begehrt. Da weiß man auch ziemlich genau, dass es Tierwohlfleisch gibt, aber leider teurer. Es gibt nur ein Produkt, dass diesem Preiswahn nicht unterworfen wird, das ist unser liebes Auto. Aber das least man ja und dann fällt der hohe Preis nicht so auf und man kann trotzdem mit seinem ABC3000 Hybrid durch die Gegend rasen und vom letzten Flugurlaub in die Dom Rep schwärmen, dabei die Kakerlaken gekonnt ausklammern und die miserable Aussicht vom nicht benutzbaren Balkon. Überhaupt Hybrid. Das Hybrid-Autos als E-Autos durchgehen, ist auch so ein Ding. Einen Hybrid zu kaufen heißt, dem E-Antrieb nicht ausreichend zu vertrauen. Man sollte schon mal überlegen, wie viel Zusatzgewicht der Verbrennungsmotor auf die Waage bringt und wie viel Strom man schon alleine dafür braucht, respektive, wie sehr der Verbrenner die Reichweite des E-Antriebs reduziert. Aber egal. Hauptsache man hat ein E-Kennzeichen und ist gekennzeichneter Umweltengel.

Ist das eigene Auto überhaupt ein Zukunftsmodell? In Coronazeiten schon, wirst du sagen, denn da muss man nicht mit so vielen Menschen in einen Wagon. Ist der Zug also ein Coronafreund? Leider gibt es keine Statistiken, wie die Infektionslage bei Bahncard-Besitzern im Vergleich zu Hybridschleuderfahrern ist, aber signifikant wird der Unterschied wohl nicht sein. Sicher ist aber, dass der Nichtfahrer das Risiko reduziert. Und sicher ist auch, dass der Nichtflieger sich nicht so leicht ansteckt und auch der Nichtskifahrer. Aber wie viel Nicht kann man der Welt zumuten, um das Thema Covid vom Tisch zu bekommen? Und ist man dann nicht sofort eine Verbotspartei, wenn man zu Einschränkungen aufruft? Und wie sehen das die Impfstoff- und Maskenhersteller? Können die überhaupt noch ohne Corona? Oder brauchen sie dann Staatshilfen? Unsere Welt ist aber auch reichlich kompliziert geworden und es kann durchaus sein, dass so ein Virus auch als Umgestalter fungiert. Kann ein Gesundheitswesen ohne Krankheit funktionieren? So viele Fragen, zu denen keiner eine Antwort will, weil die Existenz der Fragen schon ausreicht, das System zu beschleunigen, wie der Anstieg des BIP eindrucksvoll beweist.

Ist Klimarettung überhaupt leistbar?

Gedanken über die unüberwindbaren Grenzen des Egoismus

Der Mensch ist Opportunist und die Begrenzung der Klimaerwärmung ist eine recht abstrakte Sache. Denn schau einmal an welche Autos auf unseren Straßen fahren, jetzt mal abgesehen davon, ob sie bezahlt oder finanziert sind. Nein, davon dürfen wir nicht absehen. Denn genau darum geht es. Wer ein Auto finanziert oder least, kann es sich eigentlich nicht leisten. Und so ist es auch mit dem Klima. Eigentlich können wir uns eine weitere Temperaturerhöhung nicht leisten, aber wenn wir es wie beim Leasing machen, also die Rettung in monatlichen Raten mit einer ordentlichen Schlusszahlung, dann wird es schon irgendwie gehen. Dann ist ja der große Brocken erst mal nach hinten raus geschoben.

Vielleicht haben viele auf geatmet, als die Grünen das Rennen um die Regierung nicht auf Platz 1 beendeten. Denn mit den Grünen, wäre aus dem Klimaleasing schnell Soforthandlung gekommen, aber so haben wir halt Grün mit im Boot und SPD plus FDP werden schon darauf achten, dass es nicht so dramatisch wird. Als wären es die Grünen, die unser Klima anheizen. Jetzt ist keine Zeit für Klimarettung, denn jetzt haben wir erst mal Corona und das erfordert die volle Aufmerksamkeit. Und dann werden wir die Wirtschaft retten müssen. Aber dann - versprochen - geht es ans Klima. Aber natürlich mit Bedacht. Also nicht gleich die ganze Bandbreite, denn man muss schon darauf achten, dass alles im Lot bleibt und vor allem finanzierbar. 

Hoffentlich sagt das dem Klima jemand, also dass es doch bitte die Erwärmung etwas auf die lange Bank schieben soll. Denn aktuell kann die Erwärmung vollumfänglich nicht aufgehalten werden. Wie sollte das gehen? Es gibt einfach zu viele Probleme, die höchst dringend gelöst werden müssen. Tempo 130 auf Autobahnen geht halt momentan nicht, weil man schnell zu anderen Lösungen kommen muss und Tempolimits wären da höchst hinderlich. Auch die CO2-Abgabe darf nicht zu hoch steigen (obwohl die bei kluger Gestaltung an die Bürger zurück fließen würde), das würde der Wirtschaft sehr schaden. China hat keine CO2-Abgabe und kann daher billiger produzieren. China hat viele Einschränkungen nicht, vor allem keine Menschenrechte. Drum kommt schon fast alles aus China, was massenproduziert werden muss. Und dann reden sie von der Abhängigkeit von China. Das musst du dir erst mal rein ziehen. Auf der einen Seite lässt jeder Pipifaxkonzern in China produzieren, weil es da so schön billig ist und dann hat man Angst vor diesem Land.

China ist kein Vorzeigeland und die Produktionsbedingungen sind eher suboptimal, vielleicht auch katastrophal. Aber wir lassen in China produzieren, weil wir vor allem Billigprodukte wollen, was die Einhaltung unserer hohen Standards nicht erlauben würde. Wir schaffen also Standards, die wohlüberlegt zur Erreichung der Klimaziele geeignet währen, produzieren aber lieber in China, damit wir die Mehrkosten dieser Standards umgehen können. Damit ist recht einfach auszurechnen, wie diese Rechnung ausgehen wird. Wir werden die Klimaziele verfehlen und vermutlich haushoch. Wir sind eines guten Willens, den wir uns aber nicht leisten wollen. Nicht das Wort, die Tat ziert den Mann und natürlich auch die Frau. Wer Tierwohl fordert und Billigfleisch kauft, sollte zumindest das Maul halten, oder besser nach den eigenen Worten handeln.

Aber ist der Mensch so gut? Vermutlich nicht, zumindest sind bislang keine Anzeichen von Besserung erkennbar. Weiterhin gilt es das größte und stärkste Auto zu haben, die weitesten und maximal billigen Urlaubsreisen zu machen. Die entlegensten Gegenden der Erde mit unserer Anwesenheit zu bereichern und - wer es sich leisten kann - mittlerweile sogar in den Erdorbit zu raketieren. Es lebe der Egoismus, es lebe das maximal ausgelebte Ego. Und ein Jeff Bezos, der mit Sicherheit alles andere als dumm ist, beweist am eindrucksvollsten, wie sehr das Ego zur Klimarettung bereit ist. Also wird es kommen, wie es kommen muss und die 1,5°C plus werden nicht eingehalten und auch die 2° C nicht und ebenso wenig die 3°C, weil das Vorhaben an unserem Egotripp scheitern wird und man ja eh die Grünen in der Regierung hat, ein gutes Gefühl, aber man muss sie in Schach halten, denn die von ihnen geforderte Radikalität können wir uns einfach nicht leisten, das wäre zu einschneidend und vermutlich unserem Wohlstand nicht zuträglich. Freilich wäre es schön, dieses 1,5°C Ziel einzuhalten, aber es ist halt außerhalb unserer Möglichkeiten.

Vielleicht wird das einst auf dem Grabstein der Menschheit stehen: Ihr Überleben war leider außerhalb ihrer Bereitschaft. Denn eins ist leider eine unumstößliche Tatsache: Wenn wir einen gewissen Punkt überschreiten, treten wir eine unaufhaltbare Lawine los. Vielleicht wissen zu wenig Menschen, dass das so ist. Vielleicht sollte man diesbezüglich mehr Aufklärung betreiben. Denn niemand soll dann den Vorwurf erheben können, dass er und sie es nicht gewusst haben. Andererseits, wenn es Freibier gibt, braucht man das nicht besonders laut zu propagieren und trotzdem wissen es alle.

Kirche und Klima

Ein paralleles, alternativloses Versagen

Genau genommen hängt die grassierende Kirchenleere mit der Klimaerwärmung zusammen. Während die leeren Kirchen immer weniger auffallen, kommen wir der Klimaerwärmung wohl nicht aus. So wie das Betervakuum alternativlos ist, weil man doch die Grundsätze der Kirche nicht verändern darf, wird man wohl auch beim Klimawandel einst sagen, dass eine Reduktion der Treibhausgase nicht machbar war. Da ist es der Aktienindex, dort ist es die Kirchensteuer, diese bricht aktuell massiv ein, beim DAX wird das erst passieren, wenn die Auswirkungen des Temperaturanstiegs - nun ja - dramatische Folgen haben. Vermutlich wird man in beiden Fällen sagen, dass man das damals nicht wissen konnte. Oh doch, man weiß es, nur will man nicht und man wird es auch nicht gewusst haben wollen.

Ja, es wird eine immense Aufgabe, den Enkelkindern zu erklären, warum wir nichts machen "konnten". Warum wir gegen Windräder waren, warum wir in Urlaub fliegen mussten, warum die Kreuzfahrt zum Renteneintritt verdient war, warum das E-Auto keine Alternative war. Dabei müssen wir ihnen eh schon erklären, wie wir uns das mit dem Atommüll vorgestellt hatten. Vermutlich wäre die ganze Atomdiskussion längst vom Tisch, wenn jemand vor den EUGH ziehen und eine Klage einreichen würde, dass man eine Technologie nicht einsetzen darf, wenn man für den Abfall keine Lösung hat. Und den größten Befürwortern eine Laufzeitverlängerung sei gesagt, dass allein der weiterhin entstehende Atommüll so viele Kosten verursachen wird, dass eine Kilowattstunde vermutlich mehr als 50 € kosten müsste. Wie es aussieht wird es kein Endlager geben, wie denn auch bei einer fragilen Erdkruste, die auf flüssiger Masse dahin schwimmt. Nein, es wird wohl auf ein dauerhaftes Zwischenlager hinauslaufen, in dem der hochradioaktive Müll im Turnus von 50 bis 80 Jahren von maroden in neue Castoren umgefüllt werden muss. Leider sind die maroden Castoren dann auch Atommüll und zum Teil hochradioaktiv. Verkürzen wir mal die 1 Million Jahre, in denen dieses Spiel durchgeführt werden muss auf 100.000 Jahre, berechnen die Gebäude und Personalkosten und dann schauen wir mal, ob man ein AKW tatsächlich noch länger laufen lassen soll. Das geht nur mit der Einstellung "nach mir die Sintflut!"

Und bei Sintflut sind wir wieder bei der Kirche, also der christlichen. Da ist die Sintfut ja ein Symbol für die Strafe Gottes. Vermutlich hat sich während der letzten Warmzeit der Meeresspiegel so weit gehoben, dass das Mittelmeer sich einen Weg ins Schwarze Meer bahnte und dort der Meeresspiegel relativ schnell und weit anstieg. Nun die Warmzeit wurde sicher nicht von den damaligen Menschen verursacht, aber sie fassten die Tatsache der Flut als Strafe Gottes auf. Man darf das aber nicht der katholischen Kirche zur Last legen, die gab es damals noch nicht. Damals war Gott noch ein freier Gott und nicht Befehlsempfänger Roms. Aber die katholische Kirche hat das Prinzip gepachtet. Der Mensch ist von Haus aus böse, also sündhaft und nur die katholische Kirche kann ihn davon erlösen. Ähnliche Systeme gibt es auch im profanen Bereich, so kann man sich einen Quadratmeter Mond kaufen. Vielleicht demnächst auch auf dem Mars und angesichts der Unendlichkeit des Universums ist da noch lange kein Platzmangel. Aber die Kirche geht den umgekehrten Weg: Du bekommst nichts, sondern du wirst von einer Last erlöst, von einer Schuld befreit, von der Erbschuld. Das kommt einem perpetuum Mobile schon sehr nahe.

Aber dann kam die Aufklärung und die räumte mit dem Privileg des Freikaufens vom Nichts auf. In manchen Teilen der Welt ging das schneller, bei uns eher nicht. Freilich bekommt der Mensch bei seiner Geburt ein Päckchen auf den Rücken geschnallt. In den Dürregebieten Afrikas ist das ein ziemlich übles Päckchen, kaum zu tragen. In Deutschland kann man ausgezeichnet damit leben. Da hast du das Dritte Reich im Gepäck, dessen Nachfahre zu bist und da sich die Deutschen damals dermaßen an der Welt versündigten, tut man schon gut daran, den Inhalt dieses Päckchens zu akzeptieren. Wenngleich es heutzutage immer mehr Deutsche gibt, die das ablehnen. Sie täten gut daran, still zu sein. Regt sich etwa die Made im Speck auf? Aber das Gedächtnis des Menschen ist halt ein kurzes und man meint dann, das Alleinrecht auf den Speck geerbt zu haben.

Aber die Kirche tut sich schwer mit der Aufklärung. Hat sie doch damit eine große Hypothek verloren. Luther wetterte gegen den Ablasshandel, es kam zur Spaltung der christlichen Kirche, zur Gegenreformation und zu dem, was wir heute als katholische Kirche kennen. Einen gewaltigen Machtapparat, der sich nicht mal scheut, mit der Mafia Geschäfte zu machen. Mit einer Kleiderordnung, die in der Renaissance zu verharren beliebt und mit einem Substanz zehrenden Priestermangel konfrontiert ist. Freilich nicht überall auf der Welt, aber überall, wo die Aufklärung angekommen ist. Es wäre wohl der falsche Ansatz, die Aufklärung zu beschuldigen.
Die katholische Kirche beliebt sich selbst zu demontieren. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Aber keine Sorge, die Lücke wird gefüllt. Der Bedarf an Religion ist ein Grundbedürfnis des Menschen, schon allein deswegen, weil der Mensch abstrakt denken kann und weiß, dass sein Leben enden wird. Damit fertig zu werden ist nicht leicht, also muss eine Perspektive her, ein ewiges Leben. Das bietet nicht nur die katholische Kirche.

Man darf aber die Frage an die katholische Kirche stellen, warum sie sich allen Reformbestrebungen widersetzt. Frauenpriesterschaft, Zölibat, Missbrauchsaufarbeitung, Liturgiereform, Wiederverheiratete .... Keine dieser Baustellen wird eröffnet, alles als zentrale Glaubensgrundsätze betrachtet. Der Missbrauch ist in Kauf zu nehmen, um die Heiligkeit der Kirche zu bewahren. Alles Irrsinn! Engstirnigkeit in Perversion. Und dabei leeren sich die Kirchen und leeren sich weiter, bis der letzte das Licht aus macht. Dann aber, dann wird vieles gehen, denn dann geht es um die Existenz und dann wird man sagen, dass man viel früher hätte reagieren müssen. Man wird sich aber auch damit rechtfertigen, dass man das nicht habe wissen können. 

Und siehst du, da sind wir wieder beim Klima. Man hat es nicht wissen können. Oh doch! Sowohl hier als auch da waren alle Fakten auf dem Tisch, alle Variablen benannt. Man weiß es, da und dort. Aber man will nicht, da und dort. Klimaschutz bei steigendem Wohlstand. Wir werden sehen. Möglich, dass die Auswirkungen der Klimaänderung die Kirchen wieder füllen. Aber das wünschen wir uns alle nicht. Wirklich nicht.

Die Verdeutschung des Rosenkranzgebets

Über die Vernichtung des Rosenkranzes durch die eifrigsten Beter

Wer schon mal zu einem Wallfahrtsort zu Fuß pilgerte, der kennt ihn, den Rosenkranz. Er geht über fünf Geheimnisse und es gibt eigentlich drei davon. Den Freudenreichen, den Schmerzhaften und den Gloreichen. Der Rosenkranz ist ein Meditationsgebet, was bedeute, dass er durch seinen Rhythmus die Seele in eine Schwingung versetzt, man also ein bisschen verrückt wird, sprich ver-rückt, also in einen anderen Zustand. Das gelingt, wenn man ihn monoton murmelt. Aber warum? Nun ja, manchmal tut es gut, ein wenig verrückt zu werden, also aus dem jetzt ins woanders versetzt zu werden. Das mag ein tragischer Todesfall sein oder eine psychische Stresssituation. Wenn man da raus will, also eine Auszeit will, ist Meditation ein gutes Mittel, will man nicht mit dem nächsten Flieger nach Mallorca, was man ja angesichts der Klimasünden eh nicht mehr soll. Wer also anstelle eines Mallorcafluges ein bisschen meditiert erreicht zumindest den gleichen Effekt, aber deutlich klimaschonender. Und worum geht es eigentlich, wenn man mal so auf die Schnelle nach Malle muss? Um Flucht! Und siehst du, da hilft auch schon mal ein Rosenkranz. Den können alle, die mal mit Katholisch in Berührung kamen. Das erkannten auch die alten Mönche und Möchinnen. Kann schon sein, dass die das in Fernost aufschnappten, bei einem ihrer Missionsausflüge. Dann ging halt Missionierung einmal rückwärts und es ist gut denkbar, dass ein andersgläubiger Mönch aus Fernost den Katholen ihren Rosenkranz schenkte. Und lange hat das auch wunderbar funktioniert. Man murmelte sich in Trance und war für die Zeit des Rosenkranzes halt ein bisschen ver-rückt.
Aber da kennst du die Katholizisten schlecht. Die sahen nämlich im Murmeln einen frevelhaften Umgang. Man könne doch Gott nicht anmurmeln, sondern muss sich sauber artikulieren. Zu Gott oder der Mutter seines Sohnes zu sprechen braucht Disziplin und Klarheit. Ja, sie gingen sogar so weit, dass die Geheimnisse ausgeweitet werden müssen, also für jede Angelegenheit ein eigener Rosenkranz. Da spielte damals sogar der Papst mit. Und nun haben wir den Salat. Versuche du mal bei einem heutigen Rosenkranz in Trance zu fallen. Keine Chance, denn das Gemurmel ist zu Befehlston emanzipiert, der dem Kasernenhof alle Ehre machen würde. Gebet als Meditation, ja wo kämen wir denn da hin. Gott braucht klare Anweisungen und nicht irgend ein Gemurmel. Ja, so kam es, das Ende des Rosenkranzes. Also nicht des Rosenkranzes an sich, sondern seiner eigentlichen Funktion.
Und siehst du, so kann es durchaus sein, dass jemand glaubt Gutes zu tun und es ist Schlechtes. Aber so war das immer schon, wenn man etwas nicht begriffen hat. Drum wäre es schon sehr wichtig, dass man versucht etwas zu begreifen, bevor man an dessen Veränderung geht. Aber mei, so sind Menschen halt nicht. Sie glauben, dass Gott katholisch ist. Aber warum sollte er?

Keine Klimarettung in der Schweiz

Die Schweizer stimmen mehrheitlich gegen das Klimaschutzgesetz

Das ist ein dramatisches Zeichen für die Lösung der Klimarettung. Akkurat die Schweizer, mit ihrer direkten Demokratie durch Volksabstimmung, die jetzt schon so dramatisch unter den Folgen des Klimawandels leiden, diese Schweizer stimmen gegen ein Gesetz, das zur Klimarettung beitragen sollte. Warum? Diese Frage steht nun im Raum. Es war vor allem der ländliche Raum, der sich gegen dieses Gesetz aussprach und wenn die Umfragen stimmen, so waren die steigenden Kosten ausschlaggebend. Auch in Deutschland geht die Benzinpreisdiskussion wieder um.

Stoppen Kostensteigerungen die Klimarettung?

Man kann sich das Volk nicht aussuchen, das musste schon so manche Partei erkennen. Aktuell versuchen die Grünen einen moderaten Weg zur Klimarettung. Einen Weg also, der von den Menschen mitgetragen wird. Das grenzt schon fast an Perversion. Denn nicht die Grünen brauchen eine bewohnbare Erde, sondern alle Menschen. Das wissen mittlerweile auch alle anderen Parteien. Hoppla, nein, die AfD nicht. Aber das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man im Gestern lebt lebt. Gestern war der Klimawandel ja noch nicht, oder vielleicht doch, aber man nahm den Menschen aus der Verantwortung, weil nicht systemrelevant. Nun für alle Heutigen steht das ja mittlerweile fest: Der Mensch ist sehr wohl klimarelevant. Wenn dieser Mensch aber nun mal nicht dazu bereit ist auf Luxus zu verzichten, höhere Spritpreise zu zahlen und die CO2-Abgabe möglichst zu vermeiden sucht, dann werden wir die Klimarettung wohl nicht erleben.

Kann Demokratie das Klima retten?

Das ist eine sehr berechtigte Frage. Wenn Parteien in ihren Wahlprogrammen höhere Spritpreise, weniger Flüge, weniger Individualverkehr propagieren und andere Parteien Steuererleichterungen, niedrigere Spritpreise und unbeschränkte Reiselust versprechen, welche Partei wird Otto Normalverbraucher wohl wählen? Man muss natürlich wissen, dass Otto Normalverbraucher eifriger Leser der Bildzeitung ist und Politiker grundsätzlich für korrupt hält. Die Umfragen in Sachsen-Anhalt zu den Forderungen den Grünen müssten alle Alarmglocken schrillen lassen. Die meisten Sachsen-Anhalter halten die Forderungen der Grünen zum Klimaschutz für überzogen. Wohlgemerkt, die moderaten Forderungen der Grünen, mit denen sie auf ausreichend Wähler aus der Mitte hoffen. Mittlerweile ist es ja so, dass die seriösen Wissenschaftler darauf hinweisen, dass weitaus größere Anstrengungen notwendig wären. Aber was will man tun, wenn sich der Wähler größere Anstrengungen nicht zumuten lässt? Ist vielleicht Klima auf demokratischem Boden nicht zu retten?

Wir brauchen Feuer unter dem Hintern

Die Klimathematik ist zu abstrakt. Es war doch in einem April und Mai schon ewig nicht mehr so kalt, wie heuer. Stimmt, aber das lag an den mäandernden Jetstreams und die kamen in diesen Monaten konsequent aus der Arktis, das änderte auch der Klimawandel nicht. Ich führe regelmäßig Diskussionen, wie es den wäre, wenn wir flächendeckend ÖPNV hätten, sieben Tage, 24 Stunden und ernte grundsätzlich Unverständnis. Wie soll man im ländlichen Raum auf ein Auto verzichten können. Ja genau, und deshalb besitzt statistisch jeder Mensch in Deutschland ein Auto. Wer glaubt, dass das tatsächlich billiger ist als flächendeckender ÖPNV, der sollte mal nachrechnen, über welche Beträge wir da reden. Aber egal, jedem sei sein privates Auto gegönnt, wenn es denn das Klima verträgt. Tut es aber nicht und eigentlich wissen wir das oder besser gesagt könnten wir es wissen, aber man kann durchaus den Kopf in den Sand stecken. Nutzt aber nichts, denn wenn wir aus Gründen des "nicht auf das Auto verzichten zu können" den wesentlich abgasärmeren ÖPNV nicht haben wollen, dann werden wir ihn spätestens dann zähneknirschend akzeptieren müssen, wenn die Temperaturen steigen. Und da gibt es ja bekanntermaßen diese Kipppunkte, also jene Temperaturschwellen, die unaufhaltbare Effekte in Gang setzen. Zum Beispiel der Permafrost in Alaska und Sibirien, wenn der zu tauen beginnt, dann wird ein Prozess in Gang gesetzt, den wir nicht mehr stoppen können, weil dann Unmengen von CO2 und CO freigesetzt werden, die auch ohne unser Zutun die Atmosphäre mit Treibhausgasen anreichern. Dann setzt praktisch der Treibhausturbo ein und wir reden nicht mehr über 2° C, sondern über 6° C und was das bedeutet, das wollen wir uns gar nicht vorstellen. Wenn wir dann das Klima im Zaum halten wollen, müssen wir so gigantische Anstrengungen unternehmen, dass die berühmten 5 DM Benzinpreis ein Trinkgeld wären. Aber genau so wird es kommen, denn wir wählen die Partei, welche uns das luxuriöseste Leben verspricht. Und die Bildzeitung schreibt uns, welche das ist. Die Grünen jedenfalls nicht.

Geht Klimarettung mit Demokratie?

Das ist nach dem Schweizer Entscheid eine sehr berechtigte Frage. Ich halte den Schweizern zugute, dass sie als extrem kleines Land ihre Möglichkeiten der Klimarettung als marginal eingeschätzt haben. Aber es gibt viele Schweizer und letztlich sind wir ein Volk von über sieben Milliarden Schweizern, von Egoisten, wo sich jeder Einzelne außer Stande sieht, das Klima zu retten. Wenn dann jeder Einzelne zur Urne geht und Einschränkungen wählen soll, wird er es nicht tun, denn was soll ein Einzelner schon bewirken. Vermutlich wird es deshalb erforderlich sein, so was wie eine Klima-UN einzurichten, die in Sachen Klima den einzelnen Staaten verbindliche Vorgaben machen kann. Es muss eine Art Klimadiktatur installiert werden, die uns vor unserem Egoismus rettet und damit das Klima, denn andernfalls bekommen wir gewaltig Feuer unter dem Hintern und die werden vielleicht nicht verlöschen. Nun ja, die Erde wird es verkraften, denn erdgeschichtlich sind wir nicht mal erwähnenswert. Wenn wir das ändern wollen, wird es höchste Zeit. Sich später darauf hinauszureden, dass wir uns die Rettung des Klimas nicht leisten konnten, wird uns zu Idioten abstempeln.

Öffentlicher Nahverkehr - was möglich wäre

Über die Vorteile, den privaten Nahverkehr aufzugeben

Öffentlicher Nahverkehr auf dem Land und bis zum letzten Weiler? Du spinnst doch! Tatsächlich? Man muss sich einmal die Istsituation anschauen. Aktuell sind in Deutschland 79 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Jetzt sind wir mal ein bisschen großzügig und runden ein klein wenig auf, dann ist pro Bundesbürger ein Auto zugelassen. Ein Auto pro Mensch in Deutschland. Nun nehmen wir einmal an, ich lebe in einer Gemeinde mit 5000 Einwohnern, dann sind das 5000 Fahrzeuge. Nun stelle ich mir mal vor, ich müsste die Aufgabe lösen, mit dem Gegenwert von 5000 Fahrzeugen einen öffentlichen Nahverkehr in einer Gemeinde von 5000 Einwohnern zu planen, der komplett auf private Fahrzeuge verzichtet. Wie viel Geld steht mir da zur Verfügung? Das ist recht einfach, denn die Statistik sagt, dass die durchschnittliche Fahrleistung pro Auto  bei 14.900 km im Jahr liegt. Was kostet ein Kilometer Auto? Auch da will ich bescheiden sein und sage mal 30 Cent (tatsächlich ist das natürlich zu wenig), aber Autofahrer lügen sich gerne selber an. In meiner hypothetischen Gemeinde werden also 5000 x 14.900 x 0,30 Cent für Autofahren ausgegeben. Das ergibt 22.350.000 €. Angenommen du hättest 22.350.000 € pro Jahr zur Verfügung, um einen flächendeckenden ÖPNV in deiner Gemeinde mit 5000 Einwohnern zu organisieren, würdest du auch nur eine Sekunde daran zweifeln, dass du das schaffen könntest?

Flächendeckender ÖPNV ist billiger

Man muss kein Mathematiker sein, um zu berechnen, dass flächendeckender ÖPNV billiger wäre, als Einzel-PKWs. Warum macht man es dann nicht? Ich möchte diese Frage an einen Betroffenen weitergeben: An Dich! Ach du brauchst dein eigenes Auto, weil du auf dem Land wohnst und dort der öffentliche Nahverkehr praktisch nicht existiert. Da hast du wohl recht. Wir reden ja auch darüber, wie es sein könnte, wenn wir es wollten. Der Vorteil deines eigene Autos ist unbestritten der, dass du zu jeder Zeit hinfahren kannst, wo du willst, aber wer sagt dir, dass das der ÖPNV das nicht könnte. Dass du tatsächlich um 03:00 ein - nennen wir es - Taxi zu dir nach Hause bestellen könntest, das dich zum nächsten Bus bringen würde, der dich zum Bahnhof bringt. Alles fein säuberlich optimiert, dass es letzendlich schneller geht, als mit deinem privaten Pkw. Du hast Recht, das gibt es ja gar nicht. Aber das gibt es nicht, weil es das nicht geben könnte, sondern, weil wir es nicht wollen.

Lehrmeister Schweiz

Wer einmal wissen will, wie man es pünktlich hinbekommt, der fahre in die Schweiz. Da fahren die Züge jede halbe Stunde und zwar verlässlich. Gut, die Schweiz ist klein. Aber Züge im Halbstundentakt fahren zu lassen, was die Schweiz schon seit Jahrzehnten macht, könnte man ja heute optimieren. Eine Beförderungsapp, die den gesamten Personenverkehr optimiert. Taxi, Bus, Zug, das wäre die Lösung und dabei wäre es nicht mal eine große Herausforderung, diese App zu programmieren. Jeder Schachcomputer wäre unterfordert. Aber wenn es keiner in Auftrag gibt? So ist die Situation. Wir setzen weiterhin auf unser Auto, das die meiste Zeit seines Lebens herumsteht. Immerhin fährt es pro Jahr nur 14.900 km und dafür braucht man bei 60 km/h Durchschnitt 248 Stunden, was bedeutet, dass es 97% des Jahres herumsteht. Effektiv kann das nicht sein.Warum also kam noch kein Mobilitätswandel, das schreit doch direkt danach. Nun ja, weil der Deutsche sein Auto liebt und sich das richtig was kosten lässt. Der Deutsche Autobesitzer will ein Auto haben, denn das Auto ist Freiheit, so hat es ihm die Werbung über Jahrzehnte eingetrichtert. Und wer an die Wirkung von Autowerbung nicht glaubt, der erkläre mir bitte die SUVs in München. Es geht also bei der Verkehrswende nicht um Vernunft, sondern um Werbeanfälligkeit.

Das Problem ist lösbar

Wenn wir also eine Verkehrswende wirklich wollen, ist das Thema lösbar und sogar billiger als aktuell. Wir müssten uns nur vom Gedanken an das eigene Auto lösen. Das wäre genaubetrachte keine Beschneidung sondern Freiheit, denn wir geben tatsächlich viel mehr Geld dafür aus, ein eigenes Auto zu haben, als uns der viel bessere ÖPNV kosten würde. Stell dir mal eine 2-spurige ICE-Trasse von Passau nach München vor. Also eine richtige ICE-Trasse, die auch Tempo 300 verträgt. Passau - München, das wären dann mit Zwischenstopp in Plattling, Landshut und Flughafen ca. 1,5 Stunden. Das schaffst du mit dem Auto nicht. Aber du musst ja erst mal nach Passau kommen. Also rufst du das Taxi, das holt dich zum passenden Zeitpunkt ab, bringt dich zum Busbahnhof. Dort checkst du deinen Koffer ein, der dann automatisch in den Zug kommt. Der Bus fährt auf der Direttissima mit wenigen Stopps zum Bahnhof, also auch hier schneller als dein Auto und hat auch in Sachen Komfort zugelegt. Bequeme Sitze, W-LAN, Display mit Bordvideo und News.

Keine Zukunftsmusik

Das tolle daran, das ist alles  keine Zukunftsmusik, nichts an dieser Vision muss erst erfunden werden, vielleicht, dass das Taxi autonom fahren kann, aber das würde den Komfort nicht verbessern. Alles gibt es schon, nur machen wir es nicht, sondern regen uns auf, dass der Sprit teurer wird und es liegt nicht an denn Grünen, wohl gemerkt. Wir wollen das nicht, weil uns die Werbung das eigene Auto als unverzichtbar verkauft hat, als Freiheit. Aber ist es das wirklich? Geben wir nicht unnötig viel zu viel Geld für diese Autofreiheit aus? Ist der Gedanke an wesentlich bessere öffentliche Mobilität tatsächlich unerträglich, wenn es dem eigenen Auto an den Kragen geht?  Auch da muss man den Bogen etwas weiter spannen. Was ist mit den Senioren, die nicht mehr fahren können oder wollen? Für sie ist der Vorteil des eigenen Autos plötzlich weg. Sie können nur mehr öffentlich fahren oder sind auf good will angewiesen. 

Was tut not?

Wir alle wissen, dass wir etwas gegen den Klimawandel unternehmen müssen. Ich gehöre einer Generation an, die lange Zeit sorglos lebte. Klimawandel durch Menschen? das war nicht im Fokus. Wir flogen ohne Flugscham um die Welt und der volle Tank war höchstens eine Frage des Geldbeutels. Aber ich gehöre auch zu denen, die ihre Meinung nicht einbetoniert haben. Ich weiß, was mein Fußabdruck bewirkt und ich will nicht, dass meine Enkel an meinem Fußabdruck leiden müssen. Das tun sie durch die unsägliche Nutzung der Atomenergie sowieso schon. Schon deshalb möchte ich gerne so leben, dass ich dem Klima möglichst wenig schade, auch weil ich meine Enkel liebe, weil ich es nicht ertragen könnte, wenn ich ihnen ein schlechteres Leben hinterlasse. Aber auch ohne Enkel ist es durchaus erstrebenswert, sich den nachfolgenden Generationen gegenüber verantwortlich zu zeigen und jegliche Art von Umweltschweinerei zu unterlassen. Wir sind ja gern ein Volk von 7.200.000.000 Egoisten. Viel zu oft und viel zu gern genehmigen wir uns klimaschonende Auszeiten. Doch das geht nicht, das ist moderne Sünde.

Wir können so viel und tun es nicht, teils aus Egoismus, teils aus politischer Vorgabe, weil doch die Autoindustrie so wichtig ist. Ja, man muss sich schon ernsthaft fragen, was wir zur Huldigung an das Auto unseren Kindern und Enkelkindern aufzubürden bereit sind. Merkel prägte das Paradigma "alternativlos". Es sieht aber eher so aus, als wolle man keine Alternative. Als das Bundesverfassungsgericht die Verpflichtung zum Klimaschutz vor dem Zieldatum anmahnte, musste jedem klar sein, dass Ziele nicht erst kurz vor dem anvisierten Datum umgesetzt werden können. Es tut not, dass wir jetzt handeln und wer glaubt, dass die Rettung des Klimas bei gleichbleibendem Luxus funktioniert, der gehört schleunigst in ein administratives Gremium eingegliedert, denn Leugnen oder Ausblenden gilt nicht. Mann muss sich der Thematik stellen, alles andere ist Quatsch. Wenn jemand sagt, dass man nicht so weit gehen darf, weil das die Wirtschaft gefährde, dann muss derjenige auch sagen, wie es alternativ gehen könnte. Aber die Rettung des Klimas wegen wirtschaftlicher Einbußen zu vertagen, das würde uns teuer zu stehen kommen. Wir sind nicht mehr 3 Milliarden, wie am Tage meiner Geburt, wir sind 7,2 Milliarden, wir sind eine Epidemie, wir sind zur Seuche geworden. Und wenn wir das nicht erkennen, rotten wir uns aus.

Die Grünen sind unbequem

Vielleicht kam die Forderung der Grünen nach einem Spritpreis von 5DM zur Unzeit, aber sie erkannten damals schon, dass Autofahren nicht die Lösung für die Zukunft sein kann. Hätten wir uns früher dazu durchgerungen, das Klima zu retten, wäre es heute leichter. Je länger wir die Rettung hinauszögern, umso schwerer wird es. Und das ist genau das Problem der Grünen, denn wir wollen nicht, dass uns ständig jemand an die Notwendigkeit dieser Rettung erinnert. Retten wir es halt später und machen vorher noch unsere Flugreise und die Kreuzfahrt. Es gibt doch noch so vieles, was wir tun möchten, bevor wir es nicht mehr tun können. Wählen wir also die Grünen nicht, noch nicht, sie sind zu unbequem.

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