Kanzelschreiber

Über die Unzulänglichkeit

Warum wir unseren Unwillen mit Fingerzeigen rechtfertigen

Der Klimawandel. Die einen sagen dass er kommt, die anderen zeigen mit dem Finger auf alle, die nichts dagegen tun und leiten daraus ihr Handeln ab. Wie soll ich das Klima retten, wenn der Chinese? Durchaus nachvollziehbar und trotzdem mit Unbehagen besudelt, weil klammheimlich die Einsicht den Hinterkopf erobert, dass Klimawandel halt doch. Fakt: Jeder Tag mit ausredebehafteter Klimasünde macht Klimawandel realer. Orkanspitzen bis 150 hört sich solange irgendwie an, bis der Sturm das eigene Dach hebt. Immer waren Taifune und Hurrikane, aber fern, wie konnten sie uns finden? Wer hat unsere sichere Position verraten? Die Grünen? Natürlich! Vor den Grünen hatten wir keine Sabines. Seit sie das Klima schlechtreden, wird es schlecht. Die Grünen sind schuld! Diese verfluchten Umweltschützer haben das Klima aufgestachelt, dass es auch bei uns, in diesem sicheren Deutschland sein Unwesen treibt. Vor den Grünen waren unsere kraftstrotzenden Boliden unser Stolz und nun Umweltmonster. Nie wäre das Klima auf uns aufmerksam geworden. Aber diese Greta gab keine Ruhe. Fridays for Future! Diese ganze Hysterie musste dem Klima auffallen und es hat reagiert. Unglaublich. Die ganze Industrialisierung hat es über sich ergehen lassen, aber wenn eine Gruppe unerhörter Schulschwänzer aufbegehrt, reagiert es. Die vernünftige Ausbeutung der Erde wird demagogisiert. Katastrophenszenarium. Sogar die unverzichtbare Maßlosigkeit des Wachstums wird angezweifelt. Als wüssten diese Klimahysteriker überhaupt, was das bedeuten würde. Ohne Wachstum stagnieren die Aktienmärkte. Es gibt es keine Zinsen. Ohne Wachstum stirbt geht es dem Kapitalismus an den Kragen, denn Kapitalismus ohne Wachstum ist wie Auto ohne Sprit. Kapitalisten aller Welt schließt euch zusammen. Es muss irgendwie gelingen, den letzten Tropfen Öl aus der Wüste zu pressen und die letzten Gasvorkommen zu finden. Die Ausbeutung der Meere ist noch nicht abgeschlossen, da ist sicher noch was zu holen. Warum nur jedes Jahr ein neues Handy, das geht auch halbjährlich oder alle drei Monate. Der Gewinn muss her, der Profit muss wachsen, der Luxus muss steigen. Es ist doch ganz einfach. Wenn du 1000 Münzen hast und zehn Prozent Gewinn machst, dann hast du ein Jahr später 1100 Münzen und für die willst du natürlich wieder zehn Prozent, also müssen statt 100 jetzt 110 erwirtschaftet werden. Un im Jahr darauf müssen es 131 Münzen sein. Und nach zehn Jahren hast du 2.593,74 €. Natürlich kriegst du das auf der Bank nicht, aber die großen Spieler bekommen es und weil die so gierig sind, müssen wir die Erde weiterhin ausbeuten. Alternativlos, würde eine bekannte Politikerin die Situation nennen. Mal seh'n. Könnte ja sein, dass das Mitleid für die Superreichen einmal schwindet und die Freitagskinder das Sagen haben werden. Siehst du, im Jahr 2022 schalten wir das letzte Atomkraftwerk ab und ab diesem Zeitpunkt müssen wir den Freitagskindern erklären, warum sie für den Atommüll zuständig werden und haarklein erklären, wie man den Müll einige Hunderttausendjahre sicher und finanziell tragbar lagern kann. Das wird vermutlich ein ekelhafter Tag. Mann muss ihnen halt erklären, dass die billigste Lösung für Probleme deren Verlagerung in die Zukunft ist. Und dass sie es ja mit ihren Problemen auch so machen können. Nur die letzten beißen die Hunde. Und Hunde können ja vorher aussterben.

Heute schon gedacht?

Über die Notwendigkeit des Weitgenugdenkens

Was denkst du über das Wahldebakel in Thüringen? "Geht mich nichts an!" Vielleicht, vielleicht auch nicht. Im Endeffekt geht dich so ziemlich alles was an. Denn wenn in Thüringen gerade die Demokratie mit dem Vorschlaghammer in die gewünschte Form geschlagen wird, dann hat das durchaus das Potential größerer Auswirkungen. 

Warum diese Thüringer entweder Linke oder AfD wählen und alles dazwischen irgend wie auch ein bisschen, das ist zum Beispiel so ein Phänomen von Denkverweigerung. Freilich war da Kommunismus und die Linke hieß mal SED aber das ist nun doch schon ein Weilchen her und wer sich immer noch über Überheblichkeit des Westens über den Osten aufregt, der oder die hat wohl ein bisschen übersehen, dass die Bundesregierung nach Berlin, damit in den "Osten" umgezogen ist und der "Osten" anteilsmäßig im Bundestag vertreten ist. Was also bitte sollte noch erfüllt werden. Kommunismus ohne Stasi mit täglichen Grillabenden und einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn. Ja, man kann die Vergangenheit verklären, wenn man alles Negative weg lässt. Dass die Menschen sich der Öffentlichkeit durch gebannte Blicke auf das Handy entzieht, ist nun mal so. Die Welt zurückzudrehen ist keine verfügbare Option.

"Ach als da noch ..." ist keine Option, die man in sein Denken einbeziehen kann, weil abgelaufen. Zurück nach Erfurt. Da macht also die große CDU einen Grundsatzbeschluss, dass man mit der AfD nicht darf. Ja, warum einen Grundsatzbeschluss? Diese Frage zeigt aber schon, dass man in Schritten denken kann, also weiterdenken. Ist wie beim Schach, je mehr Züge zu vorausahnen kannst, um so besser bist du auf gegnerische Züge eingestellt. Das waren sie in Thüringen nicht. Der Grundsatzbeschluss der CDU wurde gefasst, weil die Gefahr in der Luft lag. Und wer sich auf so ein Spiel wie in Erfurt einlässt, der muss damit rechnen, dass ein weiterer Zug folgt. Wenn also die FDP einen Kandidaten auf verlorenem Posten aufstellt, dann signalisiert sie damit, dass sie diesen Kandidaten auch wählen wird. Bei der AfD wurde das ebenso erwartet. Aber dann wählt die AfD geschlossen den FDP Kandidaten und den eigenen nicht. Würdest du so einer Partei über den Weg trauen? Nicht mal tagsüber.

Der Passauer CSU-Kreisvorsitzende hat sich sogar zu einer Gratulation an den Eintagsministerpräsidenten hinreisen lassen. Ein Exterritorialer gratuliert parteiübergreifend. Spontan fragt man sich, was in dessen Gehirn wohl vorging? Er hat halt auch den Denkprozess frühzeitig abgeschlossen. Dabei wäre in diesem Fall Weiterdenken so einfach gewesen. 

Jetzt sind in Thüringen und in der Passauer CSU alle total überrascht und der Anfangsgratulant Christian Lindner ist zum Chefkündiger geworden und die AKK zögert maximalempört herum und die Kanzlerin hat das Fehlen des CSU-Vorsitzes vergessen und die AfD hat vergessen, dass sie sich eigentlich freuen wollte. Aber dann kamen die Umfragen und die sagten, dass hauptsächlich die Linken gewinnen würden. Vermutlich, weil die Befragten sich dachten: "Früher war doch auch alles besser." Stimmt, solche Querelen hast du mit einer kommunistischen Einheitspartei nicht. Man merkt also, wie wenig die Politiker ihr Volk kennen, da sind ihnen die Meinungsumfrager um Welten voraus.

 

Kapitalismusgefolgschaft

Warum das Kapital die Einkünfte senkt

Der Preis regelt sich durch Angebot und Nachfrage. Das ist so ziemlich die erste Gesetzmäßigkeit, die man beim Wirtschaftsstudium lernt. Ist das Angebot hoch, sinkt der Preis, ist es gering, steigt er. Wer diese Gesetzmäßigkeit gerade besonder deutlich zu spüren bekommt, das sind die Landwirte. Seit Jahrzehnten steigern sie die Produktion, optimieren den Anbau, züchten Kühe mit explodierenden Eutern, beuten die Felder aus, bis nichts mehr geht und wundern sich über immer noch sinkende Preise. Sie sollten in der Landwirtschaftsschule zunächst einmal lernen, wie die Marktpreisregelung funktioniert. Aber anstatt dieses Thema in den Landwirtschaftsunterricht aufzunehmen, fördert der Staat diesen Irrsinn und sorgt mit EU-Subventionen für das Überleben der Bauern. Wie krank ist denn dieses Spiel? Wenn sich Nichtlandwirte über niedrige Lebensmittelpreise freuen, dann sollten sie nicht vergessen, dass sie nicht wenig Steuern für die Subventionierung der Lebensmittel zahlen. Aber der Staat war folgsam, denn die Landwirtschaftsverbände haben maximale Lobbyarbeit geleistet, damit die Politiker ihre Vorstellungen umsetzen. Das will heute natürlich kein Verbandsfunktionär mehr wissen. Es ging ja auch alles ganz manierlich los. Zunächst die Molkereigenossenschaften und die Optimierung der Produktion. Kunstdünger und Unkrautvernichtungsmittel. Eine Spirale, die sich langsam emporschraubte und den Landwirt am Wirtschaftswunder teilhaben lassen sollte. Aber Tiere und Land sind keine unbegrenzt belastbaren Produktionsfaktoren und es lief aus dem Ruder. Nun fühlen sie sich an den Pranger gestellt. Mit Recht? Das ist eine gute Frage. Sie setzt voraus, dass Weiterdenken Platz im System hatte. Aber die meisten Landwirte vertrauten den Einschätzungen der Landwirtschaftsämter und die setzten die Vorgaben der Regierung um und die gehorchte den Bauernverbänden. Wo soll man also nun die Schuld für dieses Desaster festmachen? 

Ich glaube, dass die meisten Bürger dafür Verständnis hätten, dass die Landwirte einen Ausgleich bekommen, um aus dieser Spirale auszubrechen. Sie werden es aber nicht verstehen, wenn sie zum Beispiel für Humusaufbau per steuerfinanzierter EU-Hilfe herangezogen werden, wenn das Ausbeutungssystem auf diesem Niveau weiterlaufen soll oder sogar noch intensiver betrieben wird. Eigentlich sollte man das gar nicht regeln müssen. Eigentlich sollte jeder Landwirt erkennen, was naturverträglich und was tierverträglich ist. Eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass der Landwirt es richtig macht. 

Das Phänomen der Ausbeutung ist aber nicht auf die Landwirtschaft begrenzt, es hat sich in weiten Bereichen der Wirtschaft eingenistet. Warum steigen die Löhne der Pflegeberufe nicht, wenn es doch einen eklatanten Personalmangel gibt? Warum sind Menschen bereit, für einen Hungerlohn zu arbeiten, wenn überall händeringend Arbeitskräfte gesucht werden. Das geht nur, weil sich die Anbieter von Arbeit einig sind, die Löhne unten zu halten. Sie sagen sich, dass sowieso zu wenig Arbeitskräfte da sind, daran würde auch ein Preiskampf nichts ändern. Also tun sie alles Mögliche, aber die Löhne halten sie unten.

Es braucht also dringend eine Renaissance der Gewerkschaften und zwar in allen Bereichen. Die sozialen Berufe dürfen da nicht vergessen werden, auch wenn der Staat hier vieles zahlen muss. Gerechte Löhne sind das Rückgrat einer funktionierenden Gesellschaft. Wenn heute ganze Supermarktketten mit Geringverdienern betrieben werden, dann müssen spätere Generationen für die Rentenaufstockung bezahlen. Ist das richtig? Wir machen es ja mit dem Atommüll schon so. Was werden unser Nachfahren in tausenden Jahren angesichts der atomaren Hinterlassenschaften von uns halten? Niedriglöhne sind Unsinn. Sie nützen höchstens dem Kapital, weil kurzfristig höhere Gewinne erzielt werden. Was kurzfristiges Denken anrichtet, zeigen viele Brennpunkte in der Welt. Einen Trost gibt es: Die Globalisierung hat längst die letzten Enden der Erde erreicht und überall verbrannte Erde zurückgelassen. Das vielzitierte Ohnmacht vor der Globalisierung hat sich als Weltenlüge erwiesen. Klimawandel, Umweltverschmutzung, das alles hätte es nicht gebraucht. Aber der Kapitalismus ist wie ein Extremalkoholiker. Solange noch Schnaps in der Flasche ist, wird weitergesoffen.

Klimahysterie

Ein Bericht aus dem Jahre 2050

Traditionsgemäß trafen sich Mitte Januar die Mitglieder des Bayerischen Hügelvereins mit den Mitgliedern des ABCD zur Autobahnpflege zwischen den ehemaligen Anschlussstellen Aicha v. Wald und Passau. Seit die Autobahn nicht mehr benutzt wird besteht die Gefahr der Renaturierung. Der ABCD fordert seit Jahren staatliche Hilfe zum Erhalt der Autobahnen, die vor zwanzig Jahren zum Weltkulturerbe ernannt wurden. Durch die Umwidmung der Autobahnen zu Kulturgütern ist die Zuständigkeit vom Verkehrsministerium zum Kulturministerium gewandert und von diesem würden die Autobahnen komplett vernachlässigt, kritisierte der ABCD-Vorsitzende Andreas Asphaltinger während der gemeinsamen Brotzeit auf den Leitplanken. Der Vorsitzende des Hügelvereins Otto Schachtenpfleger regte an, für die nächste Pflegemaßnahme isolierte Leitplankensitzpolster zu besorgen, da man bei Temperaturen ab 40° C kaum mehr darauf sitzen könne. Außerdem forderte er den Schutz des Leberkas als bayerisches Kulturerbe. Wie berichtet wurde die Produktion von Leberkas verboten, nachdem festgestellt wurde, dass neben Schlachtabfällen immer häufiger Biomüll in der bayersichen Leibspeise endete, seit die Produktion nach Nordchina verlagert wurde. So musste die traditionelle Leberkasbrotzeit zum Abschluss der Autobahnpflege auf vegetarische T-Bone-Steaks umgestellt werden; für Traditionsbewahrer eine Zumutung. Die Steaks werden von der vegetarischen Biometzgerei Salatinger mit dem 3D-Drucker hergestellt. Die Druckpatronen kommen aus kontrolliertem Anbau in Usbekistan. Aufgrund einer Sondergenehmigung des Kultursministeriums konnte heuer traditionsgemäß die Reise zur Autobahnpflege wieder mit Autos aus den 20er Jahren durchgeführt werden. Wie jedes Jahr wurden die Fahrzeuge von den Vereinsmitglieder gezogen und nur die Vorsitzenden konnten am Steuer das Fahrerlebnis vor dem Klimasprung erahnen. Eine Zeit, in der man Rücksichtslosigkeit mit Freiheit verwechselte. Schachtenpfleger kritisierte den zunehmenden Verfall der Werte, so bekenne sich ein immer kleinerer Teil der Jugendlichen zur Tradition der Autobahnpflege und der traditionellen Anfahrt mit den alten SUVs. Erneut waren vier Hügelvereinsmitglieder mit E-Rollatoren in der Zugmannschaft.

Der ehemalige Vorsitzende des ehemaligen Naturschutzvereins kritisierte den Hügelverein für sein - nach seiner Meinung - unbeirrtes Festhalten an einer Zeit, die durch rücksichtsloses Verhalten wesentlich zum Klimasprung und zum Verlust fast sämtlichen pflanzlichen Lebens bis an den Polarkreis beigetragen habe. Dass wir heute Gemüse aus Grönland essen und das Trinkwasser per Tankschiff von der Antarktis geholt werden müsse, sei absolut vermeidbar gewesen. Früher war Wasser ein freies Gut, heute muss man es sich leisten können. Geschweige denn die Energie zum ganzjährigen Betrieb der Klimaanlagen.

Die meisten Erdbewohner seien sowieso schon in die Polregionen umgezogen. Afrika seit 2040 ein Wüstenkontinent. Auch der letzte Dezember war mit einer Durchschnittstemperatur von 27° C deutlich zu warm. Klimaforscher gehen jedoch nicht von einer weiteren Erderwärmung aus, weil seit 2038 keine weiteren Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen. Mit einer fühlbaren Abkühlung sei jedoch nicht vor 2070 zu rechnen. Bis dahin könnte die Menschheit laut wissenschaftlichen Berechnungen wieder auf 600 Millionen anwachsen. Große Hoffnungen werden dabei auf den in den ersten zwei Jahrzehnten im Pazifik entstandenen Plastikmüllkontinent gesetzt, wenn es gelingt, ihn weiter zu verfestigen und zum Südpol zu manövrieren. Denn dadurch könnten dringend benötigte Anbauflächen geschaffen werden. Sorgen bereiten allerdings die maroden atomaren Endlager am Südpol, die in das Meer abzugleiten drohen und damit die gesamte Lebensmittelproduktion auf dem Meeresboden gefährden könnten. Im Extremfall müssten die erlaubten Grenzwerte drastisch erhöht werden. Eine vorübergehende Notmaßnahme, wie Gesundheitsministerin Pilz mit gewohnt strahlendem Lächeln verkündete.