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Kanzelschreiber

Tellerrand

Bad Höhenstadt 2018

Meine sehr geehrten Blutwurstverehrer und Leberwurstverzehrerinnen!

Ich bin heute gut gelaunt zu Euch nach Bad Höhenstadt gefahren, denn das ist nun schon mein vierter Auftritt bei dieser wohl universumweit einzigartigen Veranstaltung. Und nun sind es nur mehr sechzehn Jahre bis zum 20-jährigen Jubiläum. Wobei ich nicht weiß, ob die Jahre mit Fernsehaufnahmen doppelt zählen. Außerdem hat mich der Göttler, also der Dr. Hans Göttler, also seine Exzellenz der Minister der Innereinen, der hat mich in seiner Rede dermaßen oft erwähnt, dass ich mir schon vorgekommen bin, wie der Papst Franziskus, …..
wenn ihn der Kardinal Müller erwähnt.

Manche Leute glauben ja, dass man erst so richtig gelebt hat, wenn man einmal im Fernseher war. Jetzt war ich schon zweimal drin. Einmal in Bad Höhenstadt und einmal, wie wir in Wegscheid denn Krieg um den Rannasee angezettelt haben. Und manche Leute sind der Meinung, dass etwas nur stattgefunden hat, wenn man es im Fernseher gesehen hat. Insofern kann man beruhigt feststellen, dass die Jahreshauptversammlung des Vereins zur Förderung des Ansehens der Blut- und Leberwurst seit letztem Jahr definitiv vom Fernsehen bestätigt  stattgefunden hat.

Es gibt Ereignisse, denen wird diese Anerkennung niemals zu Teil. Dazu gehört zum Beispiel die Gründungsversammlung für die Höphi, die Bad Höhenstädter Philharmonie, die ich letztes Jahr initiiert hab, die wurde nicht im Fernseher gezeigt, also hat sie niemals stattgefunden. Da sieht man einmal, wie ernst der Bürgermeister Hammer meinen letztjährigen Antrag genommen hat. Das ist schade, denn das wäre mal was gewesen, was über die Region hinaus gestrahlt hätte, also wesentlich mehr als Ohu und deutlich gesünder. Aber die Niederbayern sind halt der maximalbescheidenste bayerische Volksstamm. Die freuen sich schon über einen neuen Kilometer A94 und dann gibt es Freibier, Leberkas und Schulterklopfen. Und wenn dann auch noch ein bierzelterprobter Parlamentarier mit seiner Eröffnungsbandschneideschere daher kommt, dann ist das Maß an Glückseligkeit voll und unsere Augen Glänzen vor Dankbarkeit, dass der hohe Herr uns die Ehre gibt und wir loben ihn, dass er huldvollst einen kleinen Anteil der von uns bezahlten Steuern in die A94 gesteckt hat und wir loben ihn dass er von unseren Steuern bezahlt die beschwerliche Reise in den niederbayerischen Dschungel angetreten hat. Wir schleimen ihn ein, dass der Schleim bis nach München hinein trestert und natürlich wählen wir seine Exzellenz wieder und alle seine Parteifreunde.

Denn was ein echter Niederbayer ist, der sieht voller Bewunderung zu seinen Abgeordneten auf, da mag der noch so dumm sein. Ob der sich nun seinen Doktor selber gekauft oder abgeschrieben hat,  as spielt für den Niederbayern keine Rolle. Weil der Niederbayer der hat selber keinen Doktor nicht, und wenn er einen hat, dann ist er meistens zugewandert. Jetzt mal abgesehen vom Göttler. Der hat ihn schon so lang, dass er ihn zwangsweise selber machen müssen hat. Aber zurück zur A94. Für die A94 hätte man als Eröffnungsbandscherenschleifer
ein einträgliches Auskommen. Wenn man sich die A94 anschaut, dann hat das Parallelen zum Hauptstadtflughafen. Und der wird wahrscheinlich auch noch früher fertig. Man muss feststellen: der niederbayerische Stamm ist zu großem nicht berufen. Vielleicht kommen deshalb so viele Kabarettisten aus Niederbayern. Irgendwie musst du ja diese Permanentunterwürfigkeit psychisch verarbeiten. Immerhin hat uns der Bayerische Rundfunk zur Kenntnis genommen, also existieren wir wenigstens.

Fränkisch regiert

Aber wie wird das, wenn wir demnächst fränkisch, also fremdherrschaftlich regiert werden? Und müssen wir vielleicht dann auch so reden? Mein Gott! Ein Franke designierter Ministerpräsiden, der Sö der, der wo es nach eigener Überzeugung schon längst sein müsste, weil maximalgeeignet. Ein gnadenloser Selbstüberschätzer und damit Fortführer der Tradition. Ein Franke also wieder. Aber vielleicht hilft uns das ein bisschen, dass wir uns an fremde Menschen gewöhnen. Menschen, die ganz anders sprechen und ein Schwarzer ist er ja auch. Franken, das nördlich an Bayern grenzt. In etwa eine Tagesreise, wenn man die A3 benützt. Eine Zweitagesreise, wenn man den neuen Schnellzug von München nach Berlin nimmt. Eine Weltreise, wenn man sich den Weg von Innenminister Herrman erklären lässt. Kulturell betrachtet sowieso eine Weltreise. Weiß der Söder überhaupt, dass es Niederbayern gibt, geschweige denn, wo es liegt.

Sogar der Landwirtschaftsminister Brunner verfährt sich, wenn er nach Ruhstorf muss und Ruhstorf ist nicht weit weg von hier. Niederbayern, das haben die Münchner nicht mehr auf dem Navi und die Franken sowieso nicht. Niederbayern, das ist für unsere Landeshauptstadt außerhalb des Tellerrands. Der Regierungsbezirk, wo das neue Glühwürmchen am Politikhimmel herkommt, der Andreas Scheuer. Seit ich den reden gehört hab, weiß ich, was ein Dampfplauderer ist. Niederbayern, ein Land, wo Drachen und Ungeheuer wohnen. Vor allem aber Stimmvieh. Für einen Münchner ist der Niederbayer ein Ochse, der bei Wahlen brav grunzt, wenn man ihm hin und wieder eine Gabel Heu, sprich: einen halben oder gar einen ganzen Kilometer A94 hinwirft. Beim Ochsen tut’s zur Not auch Stroh. Und wenn ich mir unsere niederbayerischen Abgesandten in München und Berlin so anschaue, dann ist es eine traurige Gewissheit, dass dieser Vergleich stimmt. Was sollten Ochsen auch anderes abordnen können als Ochsen. Und unter diesem Gesichtspunkt ist auch zu verstehen, dass sie uns alle für Ihresgleichen halten. Jetzt ist ein Ochse wahrlich nichts Schlechtes, wenn er denn weiß, dass er ein Ochse ist und tut, was ein Ochse zu tun hat.

Glyphosat

Wo wir schon einmal bei der Landwirtschaft sind. Meine sehr geehrten Rottaler Maisbäuerinnen und Maisbauern! Es gibt eine Frage, die uns alle bewegen sollte: Ist in der Blutwurst ein Glyphosat drin oder nicht? Gerade hier im Rottal, wo der Mais daheim ist und die Bauern beim Verbot von Glyphosat an undurchdringliche Unkrauturwälder denken, wo sich die Maiszünsler an Unkrautlianen von Maisstaude zu Maisstaude schwingen und sich der Maiszünsler mit der Maiszünslerin jede Stunde im Orgasmus windet, bis der ganze Maisacker meterhoch mit Maiszünslernachwuchs wurlt. Vor drei Wochen stand ein Bericht über die Demo "Wir haben es satt" in der Passauer Neuen Presse. Da forderten die Bauern dass man doch statt Konfrontation auf Dialog setzen solle. Dialog mit einem Bauern. Ja, das probierst. Dann stehst du mit deinem VW Golf einem Fendt Vario mit 396 PS gegenüber. Da gehen dir die Argumente schnell aus, selbst mit einem Golf Diesel stinkst du nicht dagegen an. So sieht ein Dialog mit einem Bauern aus und so sieht der das auch. Das letzte Mal, dass mir ein Traktor die Vorfahrt nicht nahm, war das ein restaurierter 14 Eicher mit einem Frührentner am Steuer und der gehissten Niederbayernfahne, bestehend aus dem Dunst der sechs Mass Weißbier vom Oltdimertreffen. 

Der Mensch ist das Ende der Nahrungskette, der Mensch ist also die finale Sammelstelle aller Gifte, die wir zum Schutz unserer Geltungs- respektive Profitsuchtsucht in die Natur spritzen, dass den Insekten das Dasein vergeht. Was wir aber erst merken, wenn die Spatzen es nicht mehr von den Dächern pfeifen, weil sie sich an Insekten unterfressen haben. Man weiß es ja nicht so genau, ob dieses Spritzmitteldreckszeug tatsächlich etwas mit dem Insektensterben zu tun hat, also ist es vernünftiger, dass man es so lange weiterverwendet,
bis man tatsächlich den Beweis hat. Und dann bedauern wir es mit einem aus tiefstem Herzen kommenden "o mei, wer hät den des denkt". Das Gutachten dafür gibt die Europäische Union am besten bei Monsanto in Auftrag, damit es nicht so schrecklich ergebnisoffen ist. Wie die professionelle Sichtweise eines Bauern ist, hat jüngst ein Standesvertreter in der Passauer Neuen Presse erklärt, dass er nämlich spritzt, bevor er anbaut.

Diese Aussage, liebe Blutwurstfreunde, war kein Ausreißer, sondern sie ist repräsentativ für das in staatlich bezahlten Schulen vermittelte Landwirtschaftswissen. Man stelle sich mal vor, dass die bayerischen Landwirtschafsschulen in die Pisa-Studie mit aufgenommen würden. Ja, wo geht es denn hin, das liebe Roundup, wenn es mit dem Unkraut fertig ist. Wahrscheinlich fliegt da in der Nacht die Monsantofee drüber und sammelt es wieder ein. Duziduziduzi, ja wo ist es denn, dass liebe Glyphosat. Komm einmal heraus aus dem Boden, dann bring ich dich wieder heim. Nein, nein, du darfst nicht im Boden bleiben, weil sonst kommst du ja in den Mais hinein und die Viecherl fressen dich und du kommst als Kaiserschmarrn oder Schnitzl oder Blutwurst auf den Teller. Also ich möchte schon wissen, was bei mir auf den Teller kommt.
Spritzt man den Mais mit Roundup, dann mag schon sein, dass die Pflanze nur einen Teil des Gifts aufnimmt, der Großteil landet Gott sei Dank im Grundwasser. Wenn jetzt die Sau den Mais frisst, dann bekommt sie also nicht alles Glyphosat ab. Diesen Mangel kann sie aber über das Grundwasser wieder ausgleichen, das wir zwecks Wassergewinnung anbohren. Und wenn wir die Sau zwecks Blutwurstgewinnung anbohren respektive abstechen, dann fließt mit dem roten Lebenselexier aus der Sau auch das Glyphosat heraus und in die Blutwurst hinein. Wenn das aber zum Beispiel die Lebensmittelaufsicht feststellt, dann macht sie nicht den Landwirt, sondern den Metzger zur Sau und der kann sich dann selber abstechen und verwursteln. 

Es ist also durchaus nicht ausgeschlossen, dass uns heute ein vom Gesundheitsamt zur Sau gemachter Metzger Kohlpaintner als Blutwurst oder Leberwurst vorgesetzt wird. Jetzt wäre es mir schon recht, wenn er persönlich da wäre. Und für die vergifteten Brunnen gibt es Gott sei Dank ein Fernwasser, das man vom Rachel herleiten kann, wenn das eigene Brunnenwasser für die Waschmaschine und Toilettenspülung von amtlicher Stelle für ungeeignet erklärt wird. Der Rachel liegt Gott sei Dank außerhalb des Tellerrands und damit ist das völlig unbedenklich.
Das gibt es sogar amtlich bestätigt vom Gesundheitsamt und vom Wasserwirtschaftsamt und mehr braucht ein niederbayerischer Dorfbürgermeister an Argumentationsmunition nicht. Wir waren ja in Wegscheid eine der ersten Gemeinden, die den Einsatz von Regenwasser gefördert hat. Aber das Gesundheitsamt hat uns einen Riegel vorgeschoben und die Toilettenspülung mit Regenwasser aus hygienischen Gründen verboten. Vielleicht hätten wir dem Amt vorsorglich erklären müssen, dass wir nicht aus der Kloschüssel trinken. Auch nicht im Fasching, wenn wir den Kopf hineinhängen. Wenn unbedarfte Außerirdische auf die Erde kämen und Keime mit den Augen sehen könnten, dann würden sie sowieso aus der Kloschüssel trinken und in der Geschirrspüle ihr Geschäft verrichten, denn die Kloschüssel ist wesentlich keimfreier. Keimfrei, das ist unser oberstes Prinzip. Aber für mich klingt das ziemlich leblos. Zumindest lustlos. Spontan fällt mir da immer ein Notar ein, der emotions- und vermutlich auch lustlos im monotonen BGB-Tonfall einen völlig entlebten Vertragstext herunterliest, dass dir schon vor der Einleitung die Augenlieder wie spätabendliche Rollos herunterrattern. Ich erinnere mich mit einem eiskalten Schaudern an die Verlesung unseres Ehe- und Erbvertrages, wenn du frisch verliebt vor dem Notar sitzt und du deine Ehe in mumifizierten  Gesetzesformulierungen maximal modernd vorgelangweilt bekommst. Dass wir trotzdem drei Kinder und drei Enkelkinder haben, grenzt an ein Wunder.

Der Flüchtling muss weg

Der Keim muss weg und der Flüchtling muss weg und alles muss weg, was nicht schon immer da war. Und vor allem alles, was da nicht hergehört. Aber der Keim war vor uns da. Und vor dem Flüchtling kamen wir als Flüchtlinge an. Und die Einheimischen haben gesagt: „Schleichts enk!“ Aber dann haben wir sie größtenteils umgebracht und dann waren wir die Einheimischen und sind dageblieben. Selbst die Erfinder der Menschenrechte, die USA haben das mit den Indianern so gemacht. Aber das war legal, weil die Amerikaner sind ja nicht blöd, die haben einfach die Menschenrechte erst nachher erfunden. Hat also der früher ankommende Flüchtling aufgrund der älteren Rechte auch das Recht, dem neuen Flüchtling die Tür zu weisen? Natürlich! Genauso, wie der Flüchtling das Recht hat, die Einheimischen umzubringen und dann selber Einheimischer zu werden, bis der nächste Flüchtling ihn herausfordert. 

Wir werden sehen, ob auf Dauer der Maisbauer siegt oder der Maiszünsler. Wir sind als Deutsche geboren, also gehört uns Deutschland. Deutschland ist unser Teller, die Grenze der Tellerrand. Und was auf den Teller kommt, das bestimmen wir aber selbstverständlich selber. Manchmal frage ich mich schon, wer uns bei dieser Einstellung einmal aufnehmen wird, wenn wir einmal flüchten müssen. Immerhin wird bei uns mit allerlei gefährlichem Spielzeug herumgefummelt. Grad eben haben die Amis neue Atomsprengköpfe auf neuen Raketen geliefert, damit wir wen auch immer abschrecken können. Natürlich den Putin. Aber im Vergleich zum Trump sieht der Putin wie ein Regensburger Domspatz aus. Der Putin ist bloß korrupt. Wenn wir das glyphosat- und atomverseuchte Deutschland einmal schleunigst verlassen müssen, dann werden sie vermutlich überall sagen: „Bei uns kinnt’s net bleibm! Wir haben nämlich eine Obergrenze.“ In der Hinsicht finde ich die Einstellung der Zeugen Jehovas vorbildhaft. Die wissen genau, dass im Paradies nur für 144.000 Platz ist. Wenn sie ein bisschen  rechnen könnten, dann müssten Sie draufkommen, dass die Veranstaltung ausgebucht ist. Hänge ich für eine Veranstaltung, die längst ausgebucht ist noch Plakate auf? Aber die Zeugen klopfen weiter fleißig an und wollen mich überreden, dass ich mich auch um einen der Paradiesplätze bewerbe. Ich mache dann immer auf Menschenfreund und sag: Denkt's doch an enk selber und schaut's, damit's ihr wenigstens euren Platz habt's. Was ist, wenn die Überfahrt ins Paradies mit einem Flüchtlingsboot erfolgt und ich dann genau der bin, der das Boot zum Kentern bringt. Praktisch der Doppelzentner auf dem I. Mann könnte ja meinen, die Zeugen Jehovas kommen von Storck, weil da steht auch auf den Guazln drauf "nimm 2". Wenn die Paradiesplätze tatsächlich begrenzt sind, dann muss man halt mal über die Bleibezeit nachdenken. Warum müssen denn Paradiesplätze für die Ewigkeit vergeben werden?

Die Grenzen des Paradieses

Ich mein, wenn Gott nach der ganzen Schöpfung, also praktisch am achten Tag das Paradies erschaffen hat, dann hat er eigentlich wissen müssen, dass da eine ziemliche Herde an Menschen zusammenkommen wird. Da sind 144.000 Betten schon extrem knapp kalkuliert. Immerhin wird uns ja von der katholischen Kirche eine ziemlich üppige Wellnessoase in Aussicht gestellt. Insofern ist unsere Kanzlerin barmherziger als Gott. Ja sogar Seehofer hat mehr als 144.000 geboten. Jetzt kann man sich ein Paradies ja als unendlich groß vorstellen. Deutschland ist das nicht. Deutschland ist wie ein Teller. Nehmen wir mal als Beispiel ein Lüngerl: Wenn der Teller voll ist, dann rinnt das Lüngerl über den Tellerrand und das fürchtet vor allem die Tischdecke, aber auch der Orban, obwohl Ungarn gar nicht an Deutschland angrenzt. Aber das weiß der Orban nicht und auch nicht die CSU, deshalb haben sie ihn ins Kloster Seon eingeladen. Aber vermutlich rechnet der Orban Österreich immer noch zu Deutschland und er sich zu Österreich. Und außerdem ist Österreich neulich zu Kurz gekommen, also kanzlermäßig. Selbst eine Blutwurst hat eine Obergrenze. Wenn der Darm voll ist, dann ist er voll. Wenn da ein Bröckerl von einem Turnerwürstl rein möchte, dann geht das halt nicht. Erstens, weil ein Turnerwüstl nicht in die Blutwurst gehört und zweitens, weil's den Darm dann zerreißt. Du kannst die Wurst ein Stückchen länger machen, aber irgendwann ist Schluss, irgendwann ist der Darm und irgendwann der Teller voll. Immerhin muss ja auch noch ein Sauerkraut drauf und Kartoffeln und ein Stückerl Fleisch. Der Tellerrand ist eine allgemein akzeptierte Grenze. Was über den Tellerrand hinausgeht, das fällt runter. Wenn du jetzt einen ziemlich kleinen Teller hast, einen ungarischen oder einen österreichischen, so eine Espresso-Untertasse, dann bist du schnell am Ende und alles fällt runter. 

Aber auf einen deutschen Gourmetteller, da passt schon was drauf, da hat vieles Platz. Da ist die Obergrenze weit weg. Da passt nicht nur viel drauf, da muss auch viel drauf. Auf den deutschen Gourmetteller, da kommt eine italienische Pizza und ein argentinisches Steak, Kuskus aus der Türkei und eine Pekingente, Toast Hawaii, natürlich Thaiwok und indischer Reis, Humus aus dem Nahen Osten und allerlei orientalische Gewürze. Selbst wenn wir hingehen, wo der Pfeffer wächst, landen wir im Orient. Der deutsche Gourmetteller ist sehr international und wir lieben diese Vielfalt. Wir haben absolut kein Problem, wenn von innen etwas über den Teller ragt, aber wichtig ist: von INNEN. So ein Schnitzl, das den Teller richtiggehend unter sich begräbt, dass die Tischdecke Fettaugen bekommt. Ja da haben wir überhaupt kein Problem. Höchstens, dass die Pommes runterfallen. Was über den Teller ragt, das passt schon. 

Aber rein darf nichts, schon gar nicht von draußen. Wir haben panische Angst, dass uns einer in den Teller speibt. Das wäre eine Katastrophe und so betrachten wir schnell alles, was von außen kommt als potentiellen Tellerspeiber. Außerhalb des Tellers wird die Vielfalt nämlich zum Flüchtlingsproblem und in mediengesteigerter Form zur Flüchtlingskatastrophe. Ich denk mir manchmal, was der Honecker für eine Freude gehabt hätte, wenn die Flüchtlinge scharenweise in die DDR gekommen wären. Aber der Honecker freut sich schon länger nicht mehr. Der  wurde ja letztlich auch zum Flüchtling und hatte keinen Platz mehr in unserem Land. Dabei hätte er durchaus sesshaft werden können, in Straubing oder in Stammheim. 

Angst

Angst hätten wir trotzdem keine mehr vor ihm. Aber Angst ist wichtig. Wenn sie dir ein Bild mit 100 Flüchtlingen zeigen, die von der Wegscheider Grenze in den Ort gänsemarschieren, dann registrierst du 100 Flüchtlinge. Aber das Bild wird immer wieder und immer wieder gezeigt.
Im Fernsehen, in der Presse. Die Medien schlachten es aus, gestalten die Wahrheit, bis sie ihren Vorstellungen von Katastrophe entspricht. Und du addierst im Kopf bei jedem Bild wieder 100 Flüchtlinge dazu bis es dann 1000 sind und 10.000 und 100.000 und eine Million und die Angst ins unermessliche steigt. Aber es geht ja um die Zuschauerzahlen und es geht um Verkaufszahlen. Die Medien machen aus einem Ereignis eine Sensation oder eine Katastrophe, je nach Bedarf. Aber wenn du mal was über die Medien sagt, mein lieber, dann wirst du aber totgeschwiegen oder verrissen. Da habe ich neulich mal einen – zugegeben – ziemlich frechen Leserbrief über die Obergrenze geschrieben, den haben sie nicht veröffentlicht. 

Ist schon interessant, dass eine Zeitung, die auf die Pressefreiheit pocht selbige nicht gewährt. Weil an der Menge der themengleichen Leserbriefe kann es nicht gelegen haben. Wie ging es da leserbriefmäßig zu, als der Papst das Vater Unser ändern wollte. Wenn die Leserbriefe ein Beleg für die Aktivität der Katholiken sind, habe ich mir gedacht, dann müssten die Kirchen aus allen Nähten platzen. Tun sie aber nicht, also sind die ganzen Vater-Unser-Leserbriefschreiber Atheisten, denen es eigentlich egal sein müsste, wie man das Vater Unser in der Kirche betet. Ist heute ein Zeitungsschreiberling da? Könnt man dem vielleicht gleich eine Schlachtschüssel geben, über die er sich hermachen könnte. Dann kann er daraus eine Schlachtschüsselkatastrophe machen. Am schlimmsten ist es ja, wenn ein Tierskandal erzeugt wird. Also eine Treibjagt oder eine Massentierhaltung oder wenn einer so einem kläffenden Hundskrüppel einmal mit Genuss den Nordic-Walking-Stock überzieht. Dann sind sie da, die militanten Tierschützer und schreiben dich mit Leserbriefen in Grund und Boden und jeder einzelne wird ungekürzt veröffentlicht.

Dass wir uns nicht falsch verstehen, ich mag Tiere schon. Auch Hunde. Das ist für mich nur eine Frage der Zubereitung. Nach einer Studie der Universität Stuttgart aus dem Jahr 2012 vertilgt der Durchschnittsdeutsche pro Jahr 670 kg Lebensmittel und wirft 82 kg weg. Sowohl das  eine, als auch das andere ist zu viel und daher muss der Durchschnittsdeutsche ins Fitnessstudio, damit er den Vielfraß herunterschwitzt. Aber wehe, der syrische Kriegsflüchtling kommt, eventuell sogar illegal, dann bricht dem deutschen Durchschnittslebensmittelwegwerfer sofort der Angstschweiß aus, weil er dann womöglich mit diesem traumatisierten Elendsbündel teilen müsste und er nur mehr 60 oder gar 50 kg Lebensmittel wegschmeißen könnte. Das ist ein Problem. Immerhin sind wir eine Wegwerfgesellschaft und das soll bitteschön so bleiben. Wir haben uns daran gewöhnt. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir nicht mehr machen dürfen, was wir wollen. 

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Artikel 2 Absatz 1 steht „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.“
Ich mein, des mit dem Nachsatz hätte nicht sein müssen. Denn wenn ich auf dem Dach eines Wellnesstempel bei -10° C Außentemperatur im 35 °C warmen Außenpool meinen Caiprinha genieße oder ein Weißbier, dann habe ich mir das verdient. Da braucht mir kein ausgezehrter südamerikanischer Gratler daherkommen und von CO2- Bilanz reden. Und auch mein SUV ist bezahlt und steht mir grundrechtlich zu. Da lasse ich mich nicht als Umweltdrecksau hinstellen.

Ich habe jeden Cent meines Vermögens rechtschaffen geerbt. Kann ich was dafür, dass der Senegalese ein nasses Handtuch als Vater hatte, der sich ohne nennenswerte Gegenwehr seinen Kleinbauernhof von einem chinesischen Konzern wegnehmen hat lassen? Dann erbt der freilich nichts mehr. Und jetzt soll ich dem einen Teil meiner Wegwerflebensmittel geben. Nicht einmal die abgelaufenen kriegt der, weil ich ein Recht darauf habe, die selber wegwerfen zu dürfen. Seinen CO2-Bonus kann er dalassen, den kann ich ihm verbrennen, da kann ich ihm helfen. 

Man muss schon festhalten, dass wir nicht grundsätzlich fremdenfeindlich sind. Es komm wesentlich darauf an, wo wir diesem erbarmenswerten Menschen begegnen. Wenn du zum Beispiel über eine unserer Hilfsorganisationen einem Hungernden eine Mahlzeit spendierst,
dann ist das prima, ja das ist christlich, dann bist du ein wahrer Samariter und dann kannst erhobenen Hauptes in die Kirch schreiten. Bis ganz nach vorne, wenn es sein muss. Oder wenn du zum Beispiel bei einer dieser sauer verdienten Urlaubsreisen nach Marokko von einem ausgemergelten Marokkaner einen Cocktail serviert bekommst, dann ist dieser Mensch dir äußerst willkommen und du gibst ihm auch noch ein Trinkgeld, weil er ja glaubensbedingt einen Alkohol nicht anfassen darf und mit Geld kann man vieles bereinigen, vor allem das Gewissen. 

Das hat auch die Kirche die meiste Zeit so gehalten. Momentan nicht, aber das geht auch wieder vorüber. Na schaun Sie! Irgendwie müssen ja die Sünden weg und wenn man sich ein reines Gewissen kaufen könnte, dann haben doch beide Seiten was davon. Mit diesem Sühnegeld kann man doch Gutes tun. Beim Straßenverkehr geht es ja auch, sogar ohne dass die dann was gutes damit tun. Da gibt es einen Bußgeldkatalog und die Vergebung ist sauber geregelt. So hatten wir das ja eh in der Kirche, aber dann kam dieser Luther und jetzt gibt es schon bald 500 Jahre keine bezahlbare Sündentilgung mehr. ch meine, nach dem Beichtstuhl die Knie wundbeten, wem nutzt den das? Da lacht sich doch höchstens der Kniespezialist ins Fäustchen. Aber wir kommen da ein wenig vom Thema ab.

Zweihunderttausend

Zurück zu unserem marokkanischen Hilfskellner. Wenn der gleiche Marokkaner über das Mittelmeer schwimmt, weil er vor den Radikalfundamentalisten vom Schlage eines afrikanischen Söder Angst hat, die ihm zuerst die Arbeit in dem sündhaften Hotel und dann das Leben  nehmen wollen, dann wird es schon problematischer, dann haben wir da schnell ein obergrenzwertiges Einreiseproblem. Dann sagt der Seehofer, dass die 200.000 bereits voll sind und die Merkel weint medienwirksam ihr ganze Humanität heraus, während dem armen  Mittelmeerschwimmer langsam das Wasser immer höher steigt. Aber man muss auch bei derartigen, sicherlich im Einzelfall äußerst dramatischen Schicksalen das Große und Ganze im Auge haben. Aber das ist halt das Problem, das wir mit unserer Presse haben, die bringen dann immer Bilder von Einzelschicksalen.

Freilich gibt es auch Einzelschicksale und den einen oder anderen Verhungernden, aber man muss ja sehen, dass die in der Masse verhungern, darum geht’s doch. Das ist eine Größenordnung, mit der sich die Politik beschäftigen kann. Da braucht es eine gewisse Untergrenze. Wenn es zum Beispiel um ein ganzes Volk geht. Das sind Größenordnungen, über die einen Politiker entscheiden kann. Ein ganzes Volk kennt ja keiner, das ist anonym und nicht so brutal wie ein Einzelschicksal. Aber die Politik kann sich doch nicht um Einzelschicksale kümmern.
Das Einzelschicksal passiert. Ich sag immer: Das muss doch der Bundeskanzlerin egal sein, wie es dem Schuster Franz in Wegscheid geht, das muss ihr doch Wurst sein. Und ich sag Ihnen ganz ehrlich: Manchmal habe ich den Eindruck, das ist ihr auch Wurst. Ich mein, richtig ist das nicht, aber Realität. Als Bundeskanzlerin muss die gar nicht wissen, dass ich heute eine Schlachtschüssel kriege. Sonst kriegt sie am End noch einen Planger. Und der Hosenanzug ist eh schon verdammt eng.

Aber wenn der Kellner aus Marokko nach seinem Schwimmexkurs eine Schlachtschüssel haben will, weil er sagt: So schlecht kann das Christentum nicht sein,wenn die deutlich besser leben, als wir Muslime in Marokko. Dann haben wir aber ein gewaltiges Problem. Weil dieses Marokko nämlich zu den Maghreb-Staaten gehört und die haben wir doch für sicher erklärt. Ich mein, wenn wir ein Land für sicher erklären, dann spielt es doch absolut keine Rolle, wie es dort zugeht. Wenn man so ein Gesetz macht, mit dem man ein Land als sicher erklärt,
dann muss man dazu stehen und wenn die Maghrebstaaten aus deutscher Sicht als sicher eingestuft werden, dann ist der Mittelmeerschwimmer ein Unberechtigter und du kannst nicht einfach einem Unberechtigten einen vom Steuerzahler finanzierten Rettungsring zuwerfen
oder gar eine Schlachtschüssel servieren.

Die Schlachtschüssel ist bayerisches Kulturerbe und muss unter allen Umständen vor fremden Einflüssen bewahrt werden. Der Tellerrand muss bis zur Blut- und Leberwurst verteidigt werden. Wir werden nicht zulassen, dass sich der islamistische Terror über unsere geliebte Schlachtschüssel hermacht. Das sind die Parolen, liebe Freunde der Blut- und Leberwurst, das sind die Parolen, die unsere Gesellschaft mehr und mehr aufrütteln und das Land bewegen und deshalb rufe ich hiermit zum unbewaffneten Kampf gegen jede Form von Dummheit und Ignoranz auf.

Dummschwätzer

Wir werden Sie jagen! Wir werden diesen Dummschwätzern und Stammtisch-Schwadroneuren ihre Dummheit austreiben und die Dummheit aus der Welt hinausjagen, dass sie niemals wieder von unserem Denken Besitz ergreifen kann und uns auch keine Angst mehr einjagen kann. Wir werden unser Land zu einer freiheitlichen und demokratischen Bundesrepublik machen, zu der die Welt staunend und anerkennend aufblickt,  weil es eine gutes Bundesrepubkik ist. Wir werden unser Deutschland zu einem Land machen, vor dem man keine Angst haben muss und in dem man keine Angst haben braucht. Ein Land in dem jeder Mensch ein Recht auf eine Schlachtschüssel hat. Deshalb schlage ich vor, dass Artikel 4 des Grundgesetztes um einen Punkt erweitert wird.

(4) Jeder Bürger hat das Recht auf eine Schlachtschüssel, solange der Vorrat reicht.

Ahhh, jetzt habe ich mich wieder so aufgeregt. Aber das ist auch so ein Thema, da könnte ich fuchsteufelswild werden. Des werden Sie jetzt nicht kennen, dass einen etwas dermaßen aufregen kann, dass dir der Schnapper in der Hosentasche aufspringt. Aber so bin ich. Wenn sich so ein bierdimpfelnder Stammtischprolet aufregt, weil seine Rente für den täglichen Rausch nicht reicht, während der Asylant seiner Meinung nach in Saus und Braus lebt und ein iPhone hat, mit dem der Dimpfl sowieso nichts anfangen könnte. Dann möchte ich dem am liebsten ins Gesicht schreien: Ja hätt’st ebb’s g’scheits glernt und mehr g’arwat als g’suffn, dann hätt’st a a g’scheide Rente. Du Rindviech, du hirnvabrennt’s. Owa: Meine Lebenserfahrung sagt mir, des bringt überhaupt nix, außer Adrenalin auf beiden Seiten. Is a amoi ned schlecht. Aber es gibt Sinnvolleres für die eigene Energie.

Ich sage mir: Reg dich nicht auf, wenn sich einer aufregt! Wenn sich einer dann wieder mal maximalhirnverbrennt am Stammtisch aufführt und sein halbverdautes Unwissen wie Erbrochenes über den Tisch schleudert, dann sitz ich da und freu mich, weil ich mich nicht aufreg, derweil der sich so aufregt.  Na, da sag ich mir: Was für ein engstirniger Mensch, mit so wenig Hirn, dass eigentlich die Ohrwaschel zampicker müssten. Aber – Sie werden das nicht kennen – dann kommt wieder so ein Sagerer, der meinen Gickerl aufspringen lässt und dann reg ich mich dermaßen auf,  weil ich mich schon wieder aufrege, weil sich der Depp a so aufregt, über den ich mich eigentlich nicht aufregen mag. Dann denk ich mir immer: Das mit der Weisheit wird noch ein bisserl dauern. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf. Weisheit wäre in vielen Lebenssituationen wirklich praktisch. Ich hab’s schon mal bei Amazon probiert. Bei Weisheit kommen 63.000 Ergebnisse. Ich hab mir nicht alle angeschaut, aber unter den ersten zwanzig Treffern waren nur Bücher von Leuten, die sie mit dem Löffel gefressen und dann in Bücher geschissen haben. Bei Google kamen 16 Millionen Treffer, aber eine brauchbare Weisheit war nicht dabei. Ich hab’s auch auf der Webseite unseres Freistaats, auf bayern.de probiert. Da wurde überhaupt kein Treffer angezeigt. Das hat mich aber nicht gewundert. Auf der Seite des Bistums wenigstens zehn Treffer. Einer davon unter „Aktuelles“. Aber Weisheit ist nicht mehr aktuell. Weisheit braucht heute keiner mehr, man kann alles googeln. Oder du fragst Cortana oder diese Matz von Amazon, diese Alexa. Alexa: Bestell mir Weisheit. Das wäre interessant, was diese Amerikanische Mistpritschn daherbringen würde. Aber auch interessant, dass die Menschheit für ein Gerät, dass mit dem Hauptzweck der Haushaltsspionage entwickelt wurde auch noch bezahlt. 

Die Talsohle der Dummheit ist noch lange nicht erreicht. Weisheit kann man nicht kaufen. Weisheit gibt es nur durch regelmäßiges Selberdenken, aber auch da nur in homöopathischen Portionen. Und die Weisheit liegt oft außerhalb des Tellerrands. Wenn man sie einmal hat, dann kann man sie nicht verlieren, sie kann auch nicht gestohlen werden. Das sollte man vielleicht den Politikern öfter sagen. Die haben unheimlich große Angst, dass ihnen die Weisheit gestohlen wird, deshalb tun sie in der Regel so, als ob sie überhaupt keine hätten. Aber was wäre das für ein Land, das von Politikern ohne Weisheit regiert würde? Da könnten wir ja auch Ochsen abordnen. Dann müsste der Ochse auch wie Ludwig Thomas Abgeordneter Josef Filser zu seinem Ortspfarrer heim schreiben: "Bitte schreib mir meine Meinung". Was wäre das für ein Land, das nicht über den Tellerrand hinausschauen könnte? Freilich … wenn ich nicht weiß, was außerhalb des Tellerrands ist, dann plangt mich auch nicht drauf. Dann hab ich nur Angst vor dem Unbekannten. Aber wir haben ja rausgeschaut, auf die internationale Küche, auf die  Südfrüchte, auf argentinisches Rindfleisch, auf amerikanische Jeans, russischen Vodka und Jamaikarum, auf kubanische Zigarren und arabischen Weihrauch und – nicht zu vergessen – auf Erdöl. Auf Strände im Mittelmeer und weiß Gott wo. 

Zäune

Wir haben überhaupt kein Problem mit Ausländern, wenn wir bei ihnen Urlaub machen. Wir haben ja nur Angst, barmherzig sein zu müssen. Denn das würde uns unser kläglicher Restkatholizismus abverlangen. Dass der Kauf eines T-Shirts für 1 € ein Fluchtgrund sein kann, ja wo kaman ma denn da hin? Wenn man einen Zaun um Europa zieht, dann mag es schon sein, dass die anderen ausgezäunt sind, aber wir sind eingezäunt. Ich bin auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen. Wir hatten in Spitzenzeiten sieben Kühe. Die durften im Frühling und im Herbst auf die Weide. Dazu zäunten wir die Weide ein. Aber nicht, um die Weide vor Zuwanderung zu schützen, sondern vor Abwanderung. Unser Weidezaun war also eher eine Berliner Mauer. Obwohl unsere Kühe das bestimmt nicht so empfunden haben. Die hast du mal mit der  nassen Schnauze an den Zaun hingehalten, dass es gscheit g'rissn hat, dann haben die Rindviecher diese Grenze akzeptiert. Aber wenn wir einen Zaun um Europa herum bauen, dann sehe ich durchaus Parallelen zu unseren Kühen und ich frage mich, warum die Ostdeutschen  dagegen nicht lauthals jeden Montag protestieren. Oder gibt es bei Gefängnissen eine gewisse Größe, ab der man ein Gefängnis nicht mehr als solches empfindet. Vielleicht sollten sie uns auch mal mit der nassen Schnauze an den Zaun halten? Vielleicht muss es uns erst mal richtig reißen, damit wir zu Besinnung kommen.

Ich bin der Meinung, ein Tellerrand ist wichtig. Ein Tellerrand umschließt einen Bereich, für den gewisse Regeln gelten. Bei der Schlachtschüssel ist das eindeutig definiert. Blutwurst, Leberwurst, ein Stückerl Schweiners, Erdäpfel und Sauerkraut. Das ist die Vielfalt innerhalb einer Schlachtschüssel. Glyphosat brauche ich persönlich nicht. Und, um es gleich mal klar zu stellen: Es gibt keine vegetarische Schlachtschüssel, höchstens einen Teller Sauerkraut. Und jedes Schwein, das sich aus freien Stücken für eine Zukunft als Schlachtschüssel heute hier in Bad Höhenstadt entschieden hat, durfte auf einer Hochalm oberhalb 2000 Meter im Bayerischen Wald aufwachsen, wurde jeden Tag von der Saudirn im beheizten Außenbecken eines saumäßigen Wellnesstempels gebadet. Durfte sich anschießend in die Sauna begeben - daher auch der Name - und bekam ausschließlich Biogemüse zum Fressen. Nachts lag es auf einer ergonomisch geformten Biomatratze und wurde vom örtlichen Kirchenchor saugut mit klassischen Liedern in den Schlaf gesungen. Der Gang zum Metzger wurde ihm vom oink, oink Ortspfarrer
als Eingang in das Paradies versprochen, wo es jeden Tag in Milch und Honig baden dürfe. Das hat sich der Schweinepriester von den Menschen abgeschaut. Von diesem Glauben beseelt schied es hin. Und als es im Schweinehimmel vom Boandlkramer angeliefert wurde, sagte der Pförtner zu den herumschwebenden, bereits verzehrten und damit erlösten Schweinen:

Lasst die Sau raus!

Vielen Dank!